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Einwurf 96: Kultur und Gender

05.01.2019

Wenn man von Musen spricht, meint man meistens Frauen, die Männern helfen, interessante Sachen zu machen. Im besten Fall inspirieren sie sie zu genialen Ideen, im schlechtesten hindern sie sie gerade noch daran, sich zu erschiessen. Heute wären sie «Influencerinnen», denn für sich allein taugen sie ja nichts. Sie brauchen gut funktionierende Übermittlungskanäle. Früher waren das Lebenspartner, jetzt sind es Social Media.     

 

Die klassischen Musen waren keine mit schwarzer Schminke verschmierte It-Girls, sondern göttliche Erscheinungen. Sie hatten alle ihre spezifischen Wirkungsbereiche in den schönen Künsten, wobei die Philosophie und die Wissenschaften bekanntlich auch noch dazu zählten. Dafür war Kalliope zuständig, die darüber hinaus die epische Dichtung und die Rhetorik «betreute». Im Gegensatz zu diesem Riesenressort hatte Euterpe bloss das Flötenspiel unter sich. Doch das ist die heutige Sicht und man kann sich zumindest mal fragen, warum dieses Flötenspiel für den grossen Hesiod dermassen wichtig war, dass er dafür eine eigene Muse «erfand».        

 

Im Musenhimmel von Hesiod sind Dichtung und Tondichtung bzw. Musik auffallend dominant, während die «museumslastigen» bildenden Künste sozusagen untergehen. An diesem «Ungleichgewicht» ist in späteren Zeiten immer wieder herumgeschraubt worden. Unangetastet beantwortet blieb hingegen die Geschlechterfrage - männliche Musen gab es nie.   

 

Die Ästhetik war demnach stets eine Disziplin des «schönen Geschlechts», irgendwie logisch. Die Musengeschichte legt sogar nahe, dass die Frauen für alles verantwortlich sind, was man unter «Kultur» subsumiert. So wird im Laufe der Zeit aus dem «schönen Geschlecht» schliesslich auch das «intelligente und kultivierte Geschlecht», das «Geschlecht der Zukunft», debile «Influencerinnen» hin oder her. Musen und Übermittlungskanäle wie Lebenspartner und Social Media braucht es dann eigentlich nicht mehr; die Angehörigen der weiblichen Elite verarbeiten ihre Inspiration direkt unter sich. Für die Männer können sie aber eine Art Freiwilligendienst einrichten, denn die werden immer auf sie angewiesen sein. Deren «Economy» ist und bleibt «stupid», deren Politik sowieso. Aber was soll’s? Die Frauen haben ihre Überlegenheit und die Männer haben ihr Vergnügen. Kennen wir doch von irgendwo….               

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