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Einwurf 107: Früher war alles besser

12.02.2019

Wir waren erstmals vor 15 Jahren in Fes und in Marrakesch und vor kurzem ein zweites Mal. Das Vergleichsurteil fiel einfach und schnell: Damals war es schöner. An anderen Orten sagten wir mehr oder weniger dasselbe. Folglich war es früher überall schöner als heute, und das nicht nur auf Reisen, sondern auch zu Hause. Schöner und besser. Zum Beispiel an der Arbeit: Der Wandel beschleunigt sich, der Wettbewerb verhärtet sich, die Leistungsanforderungen steigen, die Vorgesetzten werden immer ekliger, man kommt rund um die Uhr nie mehr zur Ruhe. Oder im Privaten: Die traditionellen Frauen- und Männerrollen sind weg, alle wollen/sollen alles machen, dazu der Bildungsstress mit den Kindern, der PS-Stress in der Tiefgarage, der Quadratmeterstress mit dem Haus und dem Garten usw.: Früher Lebensqualität, heute Burnout. Wer in den 40er-Jahren auf die Welt kam, konnte machen, was er wollte und profitiert heute noch davon, aber dieses paradiesische Leben wird nie wieder zurückkehren. Dabei sollten wir doch zuversichtlich sein und nicht ständig Trübsal blasen.

 

Matchentscheidend ist die Frage, ob wir früher mehr Frieden und Wohlstand hatten als heute. Hier sind einfache und schnelle Antworten nicht so gut möglich, wenn überhaupt. Früher war das Familienleben wohl geordneter, dafür haben heute die Frauen mehr Freiheiten. Früher konnte man nicht jedes Jahr in der halben Welt herumfliegen, dafür haben wir jetzt den Massentourismus und den Klimawandel. Früher konnte man sich seine Arbeit und seinen Chef aussuchen, heute haben wir dafür gut bezahlte «Bullshit-Jobs». Früher waren wir arm, heute haben wir Gelddiktaturen und Güselhalden. Früher hat man sich untereinander ausgeholfen, dafür gibt es heute den Sozialstaat. Früher kam es immer wieder zu Weltkriegen, heute spielen sich die Genozide schleichend ab. Früher sprach man von unheilbaren Krankheiten, heute stirbt man an Medikamentenseuchen. Früher hatten wir körperliche Beschwerden, heute sind wir geisteskrank. Früher litt man unter der Immobilität, heute unter den Pendlerlawinen. Früher hatten sie den Dorfbrunnenklatsch, heute haben wir Twitter-Schrott. Früher sagten uns besoffene Dorfrüpel, wo Gott hockt, heute sind es arrogante amerikanische IT-Milliardäre.

   

Und so fort. Wo ist der humane Fortschritt? Die technologische Innovation an sich bringt ihn nicht, das steht fest. Es kommt eben darauf an, mit welchen Motiven man die hervorbringt und was man dann damit macht. Aber das ist eine ethische Frage, und wie misst man Ethik? Wann kann man wirklich sagen, eine «bewährte» Praxis sei fahrlässig preisgegeben worden? (Schauen Sie genau hin: Wer den Ausdruck «bewährt» auffallend oft verwendet, ist meistens ein ewiggestriger Bremsklotz.)

 

Wie auch immer: Wichtig ist die Erkenntnis, dass früher nicht alles schöner und besser war. Zudem liegt eine schönere und bessere Zukunft nicht zuletzt an unserer eigenen optimistischen Lebensgrundhaltung. Wären wir vor 30 Jahren in Marokko gewesen, hätten wir wohl schon vor 15 Jahren gesagt, die Städte seien nicht mehr so schön. Das erste Mal ist es (fast) immer am schönsten. Deshalb geht man nachher besser nicht mehr hin und schaut sich nach neuen Destinationen um, bevor man Äpfel mit Birnen vergleicht. Für das Berufs- und das Privatleben gilt dasselbe.

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