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Einwurf 164: Die Römer in der Schule

02.10.2019

Live aus dem Berglandwirtschaftseinsatz: Das Purebüebli kommt nach Hause und sagt, in der Schule müssten sie jetzt die Römer durchackern, dabei seien die doch schon längst ausgestorben. So etwas mache keinen Sinn. 

 

Aus der Sicht eines Kindes tönt das genial, aber die Lehrpersonen sollten ihren Schülerinnen und Schülern natürlich schon erklären können, weshalb der Geschichtsunterricht Sinn macht. Es geht darin ja um nichts mehr und nichts weniger als um die Herleitung unserer Existenz, unserer Prägung und unserer Identität. Und da spielen die Römer selbstverständlich eine zentrale Rolle. Die Methode, den Geschichtsunterricht mit dem Urknall zu starten, ist aber völlig veraltet. Man muss das Ganze vielmehr vom Schwanz her aufzäumen, also von der Gegenwart, mit der man wenigstens einigermassen vertraut ist. Etwa so: Frankreich, Deutschland, Italien, Grossbritannien, Spanien, Polen, Griechenland, Österreich, Schweiz usw.: Was ist der Charakter dieser Staaten und wie kamen sie dazu? Was sind das für Leute, die dort leben? …. Ja eben, halt ein Mischmasch von Kelten, Germanen, Slawen, Griechen und Römern, zumindest vor der Globalisierung.

 

Die chronologische Erzählung hat vor allem auch den Nachteil, dass sie atemlos und ungeordnet von einer Lebenswelt zur nächsten springt. Stattdessen könnte man zum Beispiel die Grundzüge der römischen Geschichte auch an jenen Imperatoren aufhängen, welche «jedes Kind» eigentlich kennen sollte: Cäsar, der Eroberer, der die Gallier (und die Helvetier) geschlagen hat; Augustus, der Reichsgründer zur Zeit der Geburt von Jesus, der den Bürgerkrieg beendet und zusammen mit Maecenas die schönen Künste gefördert hat; Trajan, der Imperialist, der das Reich zu seiner grössten Ausdehnung geführt hat; Hadrian, der Friedenskaiser, der die griechische Kultur wieder aufgewertet, Bildung und Wissenschaften vorangetrieben hat; Marcus Aurelius, der Philosoph am Abgrund, dessen Söhne den 300 Jahre langen Abwärtstrend eingeleitet haben; Konstantin, der Gründer von Byzanz, der das Christentum zur Staatsreligion erhoben hat.

 

So haben wir eigentlich schon eine ganze Menge Stoff, die das heutige Leben miterklärt: Hegemonialmacht (militärisch, wirtschaftlich, ideologisch), Völkervermischung, Hellenismus und Christentum (Religion, Philosophie, Wissenschaft, Bildung, schöne Künste). Klar muss man diesen «Makrostoff» auch visuell attraktiv aufbereiten, mit Filmen, Fotos und Zeichnungen von Personen, Bauten, Karten usw. Aber das alles ist doch gar nicht schwer und macht auf jeden Fall viel Sinn. Denn die Römer sind nicht ausgestorben; wir tragen sie wie die Griechen und die Germanen täglich in und mit uns herum.

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