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Einwurf 175: Die Messlatte

28.11.2019

Ernst hat einen Freund, der hat sich mit seiner Frau verkracht. Sie hat ständig blöd gemotzt, weshalb er ihr schliesslich davongelaufen ist und eine neue Frau gefunden hat. Mit der ging es dann aber auch nicht, und so ist er nun halt schon wieder «auf der Suche».

 

Weil Ernst manchmal auch Krach hat mit seiner Frau, hat ihm das zu denken gegeben. Denn schon mehr als einmal wäre er ihr auch am liebsten davongelaufen. Doch das bringt ja nichts, wenn man nachher wie sein Freund bloss im Seich landet, mit dem ganzen Kollateralkarsumpel wohlverstanden: Kinder, Sozialleben, Häuser, Finanzen, Anwälte, Psychiater usw.

 

Eine Auswechslung lohnt sich logischerweise nur, wenn die neue Partnerin mindestens so gut ist wie die bisherige, und Ernsts Anforderungen sind nicht ohne. Von seiner Partnerin erwartet er zwar keine Perfektion, aber selbstbewusst, intelligent, kritisch, tolerant, schön, herzlich, unternehmungslustig, munter, körperlich fit und psychisch stabil sollte sie schon sein. Eine fettleibige Schwarte, die sich an jedem Kiosk den Bauch vollschlägt, kommt ebenso wenig in Frage wie eine Schwatzmaschine, die rund um die Uhr ohne Punkt und Komma ihre Rosenkränze auf ihn und andere Leute herabdrischt. Auch eine Raucherin nicht, allein schon wegen der Stimme und der Haut. Haustiere will Ernst auch keine, denn wenn die Frau krank ist, müsste ja er mit dem Hund auf die Strasse gehen und dessen dampfende Scheisse aufklauben - unvorstellbar! Ausserdem sollte der Altersunterschied schon etwas weniger als 30 Jahre betragen. Wenn die «Neue» jünger ist als seine Söhne und Töchter, sieht allein das ja schon furchtbar blöd aus, und mit seinen 60+ Jahren macht Ernst auch keine neuen Kinder mehr. Er wäre dann zwischen 75 und 80, wenn die pubertieren – ein Horror, den sich nur ein Idiot im Pensionsalter noch antut. Weitere No-Gos sind (Luxus-)Konsumsucht, Handywahn und kindisches «Umechärele». (Sie steigt für den hintersten Mist sofort ins Auto.) Im Gegensatz zu vielen anderen Männern hier kann Ernst auch mit Exotinnen aus Südostasien, Afrika oder Lateinamerika nichts anfangen. Da weiss man ja nie, ob sie depressiv werden, das ergibt serienweise unökologische und teure Flugreisen, oft genug muss man dort sogar ein ganzes Dorf über die Runden bringen, und im Alter sind die meisten dieser «wahnsinnig lieben» Frauen nur noch dick und faul. Wer nicht aus Europa kommt, wäre also nichts für Ernst, schon wegen den «kulturellen Werten», und das ist für ihn keine hohle Phrase. (Er ist nicht rechtsextrem.)

 

Nach dieser Analyse war für Ernst sonnenklar: Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit genügt seinen Anforderungen niemand auf der Welt, ausser seine bisherige Partnerin. Deren Messlatte ist so hoch, dass er sich sogar auf den nächsten Krach mit ihr freut, erst recht nach dem tiefen Fall seines Freundes. Dem wird er jetzt zeigen, wie gut seine Nerven und sein Verstand funktionieren, und im gleichen Zug allen anderen, welche viel zu schnell ihren Partnerinnen davonlaufen und dabei oft auch noch gemeinsame Kinder im Regen stehen lassen. Die finden das nämlich alles andere als erheiternd. Auch die Frau von Ernsts Freund war gar nicht so schlecht gewesen, und dass sie ständig blöd gemotzt hat, hatte mindestens teilweise mit dessen eigenem Verhalten zu tun.

    

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