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Einwurf 183: Passé Suisse

10.12.2019

Die Denkfabrik «Avenir Suisse» hat eine Kantonsrangliste herausgegeben, welche ihren hauseigenen «Freiheitsindex» widerspiegelt. Wenn man diese Rangliste anschaut, stellt sich allerdings rasch einmal die Frage, ob man sie überhaupt ernst nehmen kann. Oder Fragen wie: Was verstehen die eigentlich unter Freiheit? Was bezwecken sie mit ihrem Index? Werden da Äpfel mit Birnen verglichen? usw.

 

Der Reihe nach: Gemacht hat das Rennen der Kanton Schwyz, zuunterst im Reich des Bösen schmort zum wiederholten Mal der Kanton Genf. Aber die sind dort anscheinend so blöd, dass ihnen das gefällt, denn sonst wären sie ja längst ausgewandert. Überhaupt fällt auf, dass die Kantone mit den grossen Zentren, ausgenommen Basel, durchwegs die untere Ranglistenhälfte zieren, wo es nach Diktatur stinkt. Dabei waren wir doch stets davon ausgegangen, dass Stadtluft frei mache, den Ideenaustausch vorantreibe, die Wissenschaft, die Industrie, den Wohlstand und die Demokratie. Weder der Traktor noch das Frauenstimmrecht sind im Muotatal erfunden worden.

 

Aber offenbar ist das alles falsch. Denn die Pilgerorte von «Avenir Suisse» sind Schwyz, Herisau, Aarau, Glarus und Delémont. Es gebe dort eben weniger «Regulierung», schreiben sie. Logisch, in der Wüste gibt es überhaupt keine, und im legendären Wilden Westen war die Regulierungsdichte garantiert auch nicht so gross wie die heutige im Grossraum Tokio. Wo niemand ist, braucht es auch nichts. Oder andersherum: Der Megatrend der globalen Verstädterung führt unerbittlich in die globale Versklavung.

 

Das sind keine schönen Aussichten -  da muss etwas geschehen. Aber was und wie? Mit der Deregulierung der Landwirtschaft? Wohl eher nicht, denn das wäre der sofortige Kollaps mehrerer Rankingstars. Mit der Deregulierung des Föderalismus, also mit einem Einheitsstaat? Ganz sicher nicht, denn das wäre ja auch das Ende des «politischen Wettbewerbs» (und des «Freiheitsindexes»). Dann halt mit einer Atombombe. Denn viel anders geht das «Zurück zum Kanton Schwyz» gar nicht. Für das Freiheitsparadies von «Avenir Suisse» (oder besser: «Passé Suisse») braucht es nämlich den Platz von sieben Planeten oder eben siebenmal weniger Leute.

 

Der «Freiheitsindex» von «Avenir Suisse» ist jedoch nicht nur irrelevant, sondern zuweilen echt belustigend. Er erfasst nämlich auch Themen wie Zigaretten und Hunde, und dort wird die Freiheit, von frei sabbernden Strassenkötern und frei giftelnden Kettenrauchern belästigt zu werden, natürlich positiv gewertet. Auch die «Staatsbeamtendichte» fällt ins Gewicht: Je grösser, desto schlimmer. Als ehemaliger Staatsbeamter kann ich das bestätigen: Sie sind wirklich überdurchschnittlich dumm, faul, hässlich und böse. Ausserdem scheinen der Kanton Wallis und der Kanton Zug innerhalb eines Jahres volle 13 Plätze verloren bzw. 11 Plätze gewonnen zu haben. Entweder haben wir nicht gemerkt, dass in diesen Gegenden vor Kurzem grössere Revolutionen stattgefunden haben, oder dann sind die Kantönli in der Index-Rangliste derart eng beisammen, dass sie erst recht nichts mehr aussagt.

 

Ein Nachwort noch zum berühmten «Esprit de Genève»: Die einen verstehen darunter Widerstand gegen religiöse und politische Bevormundung (Calvin und Rousseau), Kapitalismus (Privatbanken), Rotes Kreuz und UNO. Für andere ist er dagegen Fundamentalismus und Leninismus (nochmals Calvin und Rousseau), organisiertes Verbrechen (nochmals Privatbanken), Pflästerlizeug (Rotes Kreuz) und ärgerliches Palaver (UNO). Damit können Sie nun Ihren eigenen "Freiheits-Cocktail" zusammenbrauen.       

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