Einwurf 206: Herbert von Karajan

07.02.2020

Ich habe am Neujahrstag die Beethovensendungen von 3sat aufgenommen und schaue/höre sie mir jetzt eine nach der anderen an. Darunter befinden sich auch die Symphonien 3 und 5 mit Herbert von Karajan. Auf den ersten Blick sind diese Filme zwar altmodisch, denn man sieht nur entweder IHN mit seinen geschlossenen Augen und seiner Blumenvasenfrisur, oder dann eine Armee von ergeben und stramm drauflosmalochenden «Tonfritzen». Aber der Sound, den sie produzieren, ist einfach unschlagbar, auch im Vergleich mit zeitgenössischen Aufnahmen. Hier kommuniziert der Dirigent zwar offen mit seinen Musikern, die Regie zirkuliert massgeschneidert von Instrument zu Instrument, und die Frauen im Orchester sind geradezu umwerfend, vor allem die Flötistinnen. Trotzdem kriegen sie den Beethoven mit dem besten Willen einfach nicht so hinreissend hin wie Karajan und dessen Soldaten. Gut, die Berliner Philharmoniker sind das beste Orchester der Welt, aber auch das hatte und hat immer noch mit Karajan zu tun. Der hat sich zudem auch nicht gross um den Nationalsozialismus geschert, und sein Luxusfimmel war notorisch. Alles ziemlich unsympathisch. Aber bei seinem Beethoven drücken auch wir beide Augen zu, denn dieser Komponist ist und bleibt hundertmal grösser und humaner als jeder beliebige Dirigent, der ihn auf dem Radar hat.    

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