Einwurf 214: Neutralität


Crypto AG: Ausländische Geheimdienste instrumentalisieren und besitzen eine Schweizer Firma und keiner merkt etwas. Das glaubt ja kein Mensch. Dass sich Alt-Bundesräte nicht mehr daran erinnern, kann man ja noch verstehen. Entweder sind sie vergreist oder dann passiert ihnen nun das, was vielen passiert. Sie erinnern sich nur noch an die Dinge, die sie geärgert haben. Amerikahörigkeit war für sie aber überhaupt nicht ärgerlich, sondern sogar toll oder zumindest normal.

Eine andere Geschichte ist diejenige mit der Neutralität. Eigentlich gibt es nur ein einziges Merkmal, das hier zählt, nämlich die völkerrechtlich geregelte Nichtmitgliedschaft in einem militärischen Bündnis. Alles andere ist PR mit netten Kerlen wie Kaspar Villiger, Emil, Roger Federer und Co. Denn man kann auch ohne Neutralitätsstatus ein gutes Image haben, egal ob verdient oder unverdient (siehe Norwegen und Niederlande). Dito mit Status ein schlechtes (Österreich und Finnland: «aufgezwungen»).

Früher war diese «Bündnisfreiheitsneutralität» für die Schweiz ein schlaues Tool; es ging um das schiere Überleben zwischen harten Fronten. Heute ist das kein Thema mehr; wir sind in der EU (halt einfach ohne Mitbestimmungsrechte). Für «Bruchlinienstaaten» eignet sich das Neutralitätskonzept aber weiterhin, wenn sie es denn wollten (Ukraine, Türkei, Iran, Pakistan, Burma, beide Korea, Mexiko, Grossbritannien… ).

Neutralität als solche geht gar nicht. Um eine Bewertung der Grundsäulen der menschlichen Existenz kommt niemand herum. Wer gut und schön leben will, muss Stellung und damit Partei nehmen. Auch Schweigsamkeit und Unterlassungen sind nicht neutral, sondern klare Positionen gegen (aktive und bestimmte) Worte und Taten. Kein Mensch ist wertfrei oder wertneutral; auch die gescheiten Professoren und somit die ganze Wissenschaft sind das nicht. (Diese Diskussion ist ja schon längst geführt.) Die «Technik» ist es erst recht nicht, denn die ist total von ihren Erfindern und Benutzern abhängig.

Das alles ist aber kein Problem, solange man ehrlich, transparent und solidarisch bleibt. Nun kann man Neutralität natürlich auch im Sinn von «ausgewogen allen alles Recht machen» kultivieren. Demzufolge ist es völlig wurscht, mit welchen Gaunern man Geschäfte macht, Hauptsache sie rentieren. Oder man lässt jeden nach seiner Art schön tolerant gewähren, auch wenn er gegen die Menschlichkeit verbricht und die natürliche Umwelt vernichtet. Aber offen gesagt: Diese Art von Neutralität kann mir «in die Kappe scheissen»; die gibt man lieber gestern als heute schon auf.

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