Einwurf 276: Putzphilosophie

04.05.2020

«Die Rückkehr der Diener» von Christoph Bartmann berichtet über «Das neue Bürgertum und sein Personal». Eigentlich ist das Buch ein thematisch sortiertes Familientagebuch aus New York. Doch ungefähr auf jeder zehnten Seite wird klar, dass der Autor unter einem Putztrauma leidet. Für ihn sind Reinigungsarbeiten anscheinend das Niedrigste, was man sich unter Arbeit vorstellen kann. Mit dieser Haltung ist er nicht allein, New York hin oder her. Auch andernorts gelten «Schissiputzer», Strassenwischer oder Kehrichtmänner immer noch als Leute, denen ein lausiges Schicksal in die Gene geschrieben wurde. Kein Wunder, wollen auch Hausfrauen, die nicht «arbeiten», also «nur» Hausfrauen sind, wenn immer möglich nichts mit solchen Paria-Aufgaben zu tun haben.

 

Das ist und bleibt insofern schwer zu verstehen, als das Gegenteil von Sauberkeit nämlich nichts anderes ist als Dreck, und den kann man ja unmöglich zu einer zentralen Komponente eines irdischen Paradieses erheben. Dagegen beginnt - das wissen wir vom Heilfasten – der Weg einer integralen Katharsis mit einem durch Glaubersalz provozierten Dünnschiss, er endet in einer gründlichen seelischen Durchlüftung und auf den Zwischenetappen wird die Infrastruktur entgiftet (Gebäude, Verkehrswege, Gewässer und Landschaften). Herr Bartmann scheint das einfach noch nicht gemerkt zu haben. Für jeden Hafenkäse wird «Wertschätzung» eingefordert – bei den Reinigungsarbeiten ist das jedoch absolut gerechtfertigt. Die sind nicht nur existenzsichernd (Gesundheit), sondern in allerhöchstem Mass sinnstiftend (humaner Fortschritt).  

 

Die Verklärung der Putzerei heisst darum nicht, dass diese primär den Frauen vorbehalten bleibt, egal ob sie nun negativ oder positiv konnotiert ist. Am besten regelt man solche Sachen wie viele andere wichtige Haus- und Familienarbeitsteilungen in einem obligatorischen Ehe- oder Partnerschaftsvertrag, und wer darin eine solidarische 50-50-Lösung beschliesst, soll staatlich massiv privilegiert werden. (Steuern, Zulagen, Sozialversicherungen, Erbrecht etc.) So wird dann aus der «Heiratsfalle» ein verbindliches, egalitäres Vorzeigemodell. 

 

Bleibt das Thema «Delegation»: Herr Bartmann meint, in New York habe ein Ehepaar mit Kindern gar keine andere Wahl als eine «Überstundenjob-Doppelverdienerei». Das gilt aber wohl nicht für diejenigen, welche diesen «Kadern» dann gegen ein Billiglöhnchen die Haus- und Familienarbeiten abnehmen. Zudem ist New York nicht der Nabel der Welt (obwohl viele Leute das immer noch glauben), und die Frage, wie dieses «System» nun unter «Coronabedingungen» funktioniert, ruft ja gleich wieder nach einem weiteren Buch.

 

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