Einwurf 367: Lebenslänglich


Kürzlich hat die Tamedia-Sonntagszeitung Verhaltensregeln für eine lebenslange, heterosexuelle, monogame Zweierbeziehung publiziert. Für Leute natürlich, die das wollen, denn mittlerweile wird ja auch nach vielen anderen Modellen zusammengelebt.

Verhaltensregeln sind zwar immer gut, aber matchentscheidend sind unseres Erachtens diese harten Basisfaktoren, welche die «Nachhaltigkeitsforschung» denn auch speziell gewichten sollte:


- Das Vorbild der Eltern, von denen man die Beziehungsfähigkeit lernt, oder eben nicht. Wenn die das nämlich nicht hingekriegt haben, hat man einen gröberen Startnachteil. Das Risiko, potenziellen Partnern von vornherein zu misstrauen, ist dann ziemlich hoch. Genauso wie dasjenige eines sich selbst auferlegten destruktiven Perfektionismuszwangs. («Nur nicht die Fehler der Eltern wiederholen».)


- Das gesellschaftliche Milieu: Wenn die Partner aus einigermassen vergleichbaren wirtschaftlichen (Vermögen), politischen (Weltanschauung) und kulturellen (Wertekanone) Verhältnissen stammen, haben sie es definitiv besser zusammen. Gemischtrassische oder -religiöse Ehen zum Beispiel sind eindeutig viel anspruchsvoller als «milieuhomogene». (Das ist natürlich kein Plädoyer für Inzucht.)


- Das Bildungsniveau: Auch hier sollte das Gefälle zwischen den Partnern nicht allzu gross sein. Sonst wird die Kommunikation langweilig oder gar unmöglich.


- Der Altersunterschied: Gleichaltrige Partner vermitteln (intern und extern) mehr Sinn als dümmliche Lolitapuppen mit inkontinenten Geldsäcken. Andere äusserliche Asymmetrien sind ähnlich belastend (Ausstrahlung/Attraktivität, Körpergrösse/-form usw.).


- Gemeinsame Grundwerte, aber getrennte Aktivitäten: Besonders inspirierend und bereichernd sind unterschiedliche Berufe. Aber auch in der Freizeit müssen nicht beide zusammen malen, golfen, Schach oder Klarinette spielen. Die gegenseitige Dauerkolonisierung, also rund um die Uhr privat und beruflich aufeinander herumhocken, mag auf einem Bauernhof nolens volens noch funktionieren, ist aber ein erstklassiger Beziehungskiller, sobald die Euphorien der «Liebe auf den ersten Blick» und der «Schicksalsgemeinschaft» abgeklungen sind.


- Der psychologische Typ: 100% Extraversion mit 100% Introversion läuft garantiert schief.


- Die Nerven: Wer wegen dem hintersten Scheiss sofort in die Sätze kommt, kratzt quasi permanent an der Qualität einer Beziehung. Das gilt vor allem für die Eifersucht, denn wer nicht eifersüchtig ist, signalisiert Stärke und macht sich gerade so besonders attraktiv für eine langjährige Partnerschaft. («Der/die muss schon viel wert sein, wenn er/sie auf mich verzichten könnte».)


- Sex: Das muss beiden Spass machen und unkompliziert sein. Wenn das ständig neu traktandiert, mühsam ausgehandelt und auf die Viertelstunde genau terminiert werden muss, wenn es nur im Suff klappt und wenn es zur lästigen Pflicht oder gar zu einem No-Go wird, ist die Sache mehr oder weniger gelaufen.


- Die Erwartung: Wer schon beim «Treueeid» bloss an einen günstigen Einkauf («gute Partie»), an Macht- oder gar an Gewaltausübung denkt, bringt es damit in zivilisierten Erdteilen wohl nicht mehr sehr weit. Und diejenigen, denen automatisch eine mögliche oder gar wahrscheinliche Trennung im Kopf herumschwirrt, befinden sich von Anfang an auf dem Weg der selbsterfüllenden Prophezeiung.


So viel aus unserer Sicht. Am besten aber befragt die Forschung eh einfach Kinder, altersgerecht zwischen 5 und 25.

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