Einwurf 517: Fachkräfte: Marktmacht ausspielen


Glaubt man der «Wirtschaft» und den Medien, dann herrscht jetzt Hochkonjunktur. Wenn Sie eine «topqualifizierte Fachkraft» sind, sollten Sie demnach eine enorme Marktmacht auf sich vereinigen. Das muss man natürlich ausnützen. Kommen Sie intern nicht mehr weiter, bewerben Sie sich extern, und dann schauen Sie aber genau hin.


Der Aufgabenkatalog ist das eine; den hat man rasch einmal begriffen. Matchentscheidend für die Qualität eines Jobs ist jedoch das «Drum und Dran». Wer auf einen fahrenden Zug aufspringt, muss klar wissen, dass er nur gefragt ist, weil die «Bisherigen» das so wollen. Mit anderen Worten: Sie haben sich ihre Positionen gesichert und überlassen einem Neuen sicher nicht gerade die Filetstücke. Die Letzten beissen bekanntlich die Hunde, und als «topqualifizierte Fachkraft» hat man das natürlich nicht verdient. Es gilt, potenziellen Ärger von vornherein auszuschliessen.


Wer wirklich gut ist, fragt daher her direkt nach dem «Drum und Dran». Wenn sie deswegen dann absagen (egal ob sie es zugeben oder nicht), wissen Sie immerhin warum, und das ist gerade recht. So behalten die «Alten» dort ihre Privilegien und Sie kriegen garantiert etwas Besseres.


Unter «Drum und Dran» verstehen wir Fragen wie diese: Wem gehört das Unternehmen (oder die Organisation) und kann ich mit den Besitzern (oder Machthabern) direkt kommunizieren? Gibt es einen verbindlichen betrieblichen Wertekanon und was kann ich ungestraft veranlassen, wenn ich den Verdacht schöpfe, jemand habe dagegen verstossen? Wird Eigeninitiative aktiv unterstützt oder im Gegenteil als Missachtung von obrigkeitlichen Anweisungen und Erwartungen ausgelegt? Was erfasst das QM (und was nicht) und wie wird es umgesetzt (mit Beispielen)? Und so weiter; Soft Factors sind Hard Factors.


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