© 2020 PELESP GmbH

PELESP GmbH
Wannenstrasse 8E
CH-8800 Thalwil
+41 44 720 12 73

mail@pelesp.ch

Disclaimer            Impressum

WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

24.03.2020

Mario Vargas Llosa findet die zeitgenössische Schweizer Literatur unterklassig (Tagesanzeiger heute): Grosse Literatur entstehe nur in Notlagen. Also in seiner eigenen. Sicher ist der Kerl ein Monument, aber auch berühmt für seinen Wankelmut und seine moralische Grenzwertigkeit. Die findet man jedoch weder bei Jonas Lüscher, Milo Rau, Charles Lewinsky, Sibylle Berg oder Lukas Bärfuss noch bei Markus Werner, Niklaus Meienberg oder Friedrich Dürrenmatt. Auch beim streitbaren Jean Ziegler nicht und nicht einmal beim eingebildeten Max Frisch. Für diese Literaten schäme ich mich jedenfalls viel, viel weniger als für unsere Finanz-, Rohstoff- und Pharmariesen und die von denen (direkt oder indirekt) bestochenen Partei-Parlamentarier.     

25.02.2020

Kennen Sie das Buch «Atlas wirft die Welt ab»? Nein. Oder vielleicht «Wer ist John Galt?» Das ist nämlich das gleiche Buch. Auch nicht. «Streik»? Diesen Titel haben wohl viele Bücher, aber hier geht es nochmals um dasselbe. Keine Ahnung. Von Goethe ist es zwar nicht, von Thomas Mann auch nicht. Aber es war und ist ein Millionen-Bestseller. Halt einfach nicht in Europa.

Dank einer Adaptation des Zürcher Schauspielhauses in der Form eines Musicals wissen wir jetzt auch Bescheid. Kurz und schlecht: Es handelt sich um eine typisch amerikanische, ebenso kitschige wie niederträchtige Herrenrassenscheisse. Dass solcher Schund in Europa nicht (mehr) gehandelt wird, spricht für die Standhaftigkeit unserer Zivilisation (siehe Einwürfe 209 und 222). Denn der Kern der Botschaft ist klar: Es geht um die Vernichtung von minderwertigen Mitgliedern der Gesellschaft. Als hätte die Autorin (sie hiess Ayn Rand) nie etwas von der Hitlerei gehört oder – noch blöder - diese sogar toll gefunden. Zu ihrem mens...

04.02.2020

Weil Jakob ein unverbesserlicher Bürogummi war, hat er sich jeweils im Sommer bei einer Bergbauernfamilie gemeldet und ihr auf den Wiesen und Feldern, in den Ställen und manchmal auch im Haushalt ausgeholfen. Dabei lagen die Schwerpunkte seiner Einsätze stets etwas anders. Im Laufe der Jahre sind die armen Bauern aber alle ausgestorben und die überlebenden haben massiv mechanisiert und automatisiert. Die Bäuerinnen haben auch nicht mehr den Käse geputzt, sondern in einem Coiffeursalon gearbeitet oder als Bürogummi auf der Post.

So hat Jakob kürzlich geträumt, dass er in seiner nächstens bevorstehenden Bergbauernwoche nur noch für den Familienhund zuständig war, und dafür erhielt er detaillierte Instruktionen. „Gassi gehen“ wurde ihm untersagt. Stattdessen musste er den Hund in einen weiten, durchsichtigen Plastikmantel stecken, in einen grossen Meissener Porzellanteller stellen, der auf einem schmucken Sofatischchen lag und dann einfach warten, bis das Zeug herauskam. Darnach musste er...

03.02.2020

Seit Jakob von einem Hund gebissen wurde, hat er ein Hundetrauma. Deshalb träumt er nun auch nicht mehr von seinen Eltern, von der Armee und von Himmelsleitern, sondern nur noch von Hunden. Beispiel I:

Jakob ist hinter einer Gruppe von Hundesittern am Spazieren und will wie diese eine Strasse überqueren. Aber da ist so viel Verkehr und man wartet und wartet und wartet, bis die Hundesitter beschliessen, auf volles Risiko ganz einfach mitten in die Karrerei hineinzumarschieren. Grosse Aufregung, Huperei, Gefluche, Beinaheauffahrkollisionen, Riesenstau, das Übliche. Aber die Aktion scheint zu gelingen, bis der stolze Besitzer eines Oldtimers, der wie eine Mischung von einem Roten Pfeil und einem afrikanischen Rindviehtransporter aussieht, sein Fahrzeug mit einem Riesenzorn im Bauch das Strassenbord hinaufwuchtet, aussteigt, einen Hund nach dem andern packt und auf das Deck hinaufknallt. Dort schnürt er sie an den Seitenstangen fest, bricht ihnen eigenhändig sämtliche Beinknochen und beschi...

14.02.2019

…. Du, äää, chomm …. Äär hät gseit, und dänn sie so …. Chunsch drus? …. Ja, scheisse, ächt, immer bloss blöd lachä …. Genau, äär isch voll abgfahrä …. Sie isch eifach es mega Tussi …. Uhuere, ja, doof umehängä …. Schoo, und jaaa, es mega Puff, ich schwör’s …. Wow, easy, geil …. Das isch vollkrass chillig, aber das andere isch würkli scheisse, weisch was i mein? …. Total uncool, äbe so …. Schoo, und jaaa, ich weiss nöd …. Bisch am schaffä? …. Ich go jetz au go schaffä …. Nöd würkli, äär macht extrem Stress, und die ander au, weisch was i mein? …. Genau, usgraschtet, voll behindärät, uf em WC und so …. Äär isch es riese Arsch, ächt …. Sie tschägged das überhaupt niä, sorry, sie sind so öppis vo tumm und nervig, hei, ich glaub’s nöd …. Und jaaa, äää, aso nei …. Schoo? …. Würkli? …. Es mega Arschloch, ich säg der’s, extrem, verschtohsch? …. Nei, du verschtohsch mi nöd …. Kein Plan, alles Idiotä …. Isch dis Chätzli wieder gsund? …. Oje …. Fuck …. 

11.10.2018

Die Frankfurter Buchmesse zelebriert dieses Jahr Georgien. Das ist auf den ersten Blick ein dankbarer Gast, denn Georgien wird spätestens seit dem Untergang der UdSSR als kleines Paradies auf Erden hochgejubelt. Da fliessen nicht nur Milch und Honig, sondern vor allem auch der älteste und damit selbstverständlich beste Wein der Welt, und die Leute sind alle wahnsinnig nett, also wirklich. Ein goldenes Verbindungsstück zwischen Orient und Okzident, und oh Schreck, gerade deswegen immer wieder und auch heute noch von den bösen Russen gepeinigt.

Aber spätestens hier schrillen die Alarmglocken, und schon ein paar kurze Recherchen offenbaren glasklar, dass die Politik in diesem «Paradies» kein Dreck besser ist als jene in Moskau oder in Kiew. Wer weder ein korrupter Oligarch noch ein amerikahöriger Kasinokapitalist ist, hat dort rein gar nichts zu bestellen und muss relativ schnell sogar um sein Leben fürchten. Da können die in Frankfurt auftretenden Schriftsteller noch so tolle Bücher schre...

01.10.2018

Wer früher Alvin Toffler oder Fritjof Capra las, liest jetzt Yuval Noah Harari. Das ist einer, der uns wie Jean Ziegler, Jeremy Rifkin, Joseph Stiglitz oder Paul Krugman jedes Jahr mit einem supergescheiten Buch bombardiert, und zwar nicht mit einem dünnen. Es ist uns rätselhaft, wie diese Leute innert kürzester Zeit zu ihrem enormen Wissen gelangen und dieses literarisch verwerten. Gleichzeitig machen sie ja noch Reisen, geben Interviews, halten Vorträge, nehmen Lehraufträge wahr und haben bestimmt auch noch ein reich erfülltes Privatleben.

Wie auch immer: Zu Harari haben wir es noch nicht geschafft. Dafür haben wir «Factfulness» von Hans Rosling gelesen. Der meint, alles werde besser, obwohl man zuweilen meinen könnte, die Welt gehe bald unter. Das sei aber nur deshalb so, weil man den negativen Fakten und Meldungen dummerweise eine viel grössere Aufmerksamkeit verleihe als den positiven. Das passt auch zur «Beichte» von Jaron Lanier, wonach die Algorithmen aus dem Silicon Valley schl...

24.01.2018

Was machen Sie, wenn Sie unsere Einwürfe gut finden, sich aber nicht getrauen, öffentlich dazu zu stehen? Dann sagen Sie, es habe da stets ein paar "interessante Ansätze" drin, nur werde halt oft "masslos übertrieben", die Optik sei "ziemlich einseitig" und die sprachliche Formulierung meistens "zu radikal". Kennen wir doch, ja?   

Please reload

Please reload

Aktuelle Einträge
Kategorien
Archiv