WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

07.08.2020

Über den «schlechten Sport» haben wir schon viel und genug geschrieben. Dazu nur das noch: Infantino hat den richtigen Namen. Elefantös ist er in seinen Ansprüchen, infantil in seinem Benehmen.

Es gibt aber auch den «guten Sport». Etwa so: Sie sind eine Frau, Sie sind dick und hässlich (oder Sie meinen es wenigstens) und Sie suchen seit Jahren vergebens einen Lebens- oder wenigstens einen Sexpartner. Was tun? Abmagerungskuren? Schönheitschirurgie? Heroisch zum Dick- und Hässlichsein stehen? No way: Velofahren und Joggen! Genau das machen heute die attraktivsten Frauen, die es gibt.

Vereinsfest, Disco, Beachparty, Tinder: Just forget that. Ausstellungen, Ballett, Schauspielhaus: Ach, wie nett. Allein schon Wanderwege eröffnen heute viel bessere Perspektiven. Die richtigen «Models» aber, nach denen sich die Köpfe umdrehen, die pedalen wie Windsbräute die Alpe d’Huez hinauf, natürlich ohne dämliche Hilfsmotörli, und nachher sprinten sie locker durch die abgründigsten Bergwälder.

(Aus der Bed...

10.06.2020

Weil wir dieses Jahr keine Olympiade haben, gibt es nun auch keine Caster-Semenya-Diskussionen. Es heisst, ihre «Männlichkeit» benachteilige ihre Mitstreiterinnen, und deswegen findet seit mehreren Jahren schon ein riesiges medizinjuristisches Affentheater statt. Aber ihre Konkurrentinnen sollen nicht so blöd tun, zumal sich ohnehin jede Zweite illegal dopt. Abgesehen davon sind ja eh alle anders: Die eine misst 190 cm, die andere 150, der BMI schwankt zwischen 18 und 28, ähnlich die Waist-to-Hip-Ratio. Die eine ist asexuell, die andere hat schon zwei Kinder, die eine war noch nie krank, die andere ist das ständig, die eine lacht viel, die andere heult viel und eine dritte macht gleich beides gleichzeitig. Es gibt Europäerinnen, Japanerinnen, Inderinnen, Afrikanerinnen, Mexikanerinnen, wir haben Naturtalente und Trainingswahnsinnige, Kluge und Blöde, Schöne und Hässliche, Sympathieträgerinnen und Nervensägen usw.

«Der langen Rede….»: Entweder bleibt man diskussions- und vorbehaltslos be...

08.06.2020

Wenn es ein Sportler wagt, sich für Menschenrechte und Umweltschutz stark zu machen, gibt es sofort grosse Diskussionen. Er kriegt Probleme auf allen Ebenen, es drohen Boykotte, Klagen, Gerichtsverfahren, Sanktionen, Ausschlüsse, Verteufelungen usw. Der Sport müsse politisch neutral bleiben, heisst es jeweils von «oben».

Aber das ist Verhältnisblödsinn: Der ganze organisierte Sport ist hochgradig politisch und in dieser Hinsicht auch alles andere als zimperlich. Olympiaden und Weltmeisterschaften sind hemmungslose Nationalismus-Orgien: Flaggen, Hymnen, Medaillenspiegel bis zur Vergasung. Die Sportler treten im Namen von Ländern auf, welche totalitäre Diktaturen sind, Konzentrationslager führen, Genozide veranstalten, den Rassismus schüren und von Charakterlumpen regiert werden. Dazu kommt das Millionensponsoring von Firmen wie Coca-Cola, McDonald’s, Alibaba, Samsung, Dow oder Gasprom, von Autoherstellern und Fluggesellschaften, die Adipositas und Karies vorantreiben, Luft, Gewässer und...

05.05.2020

Jetzt hat ein (fedistischer) holländischer Hobbystatistiker quasi algorithmisch ausgerechnet, dass Roger Federer wirklich der beste Tennisspieler aller Zeiten ist. So etwas freut den selbsternannten Federerpapst Stauffer vom «Tages-Anzeiger» natürlich noch viel mehr als wenn er selber von eben diesem «Experten» zum besten Journalisten aller Zeiten ausgezeichnet worden wäre. Der «Analyse» dieses «Experten» widmete er deshalb einen ellenlangen Sonderbericht. (Wenn im Mittleren Osten 1000 Zivilpersonen wegbombardiert werden, ist das jeweils eine Randnotiz wert, oder man erfährt es gar nie. Aber auf den Sportseiten hat es jetzt ja Platz zum Versauen und auf den anderen begeilen sich die Journalisten wieder am Parlamentskindergarten.) Endlich kommt der «wissenschaftliche Beweis» für das, was er intuitiv schon längst erfasst hat. Seine vom irdischen Dasein geknebelte Seele ist unwiderruflich erlöst.

Der «Experte» meint zwar, Federer könne von Djokovic noch überholt werden. Aber auf einen stra...

24.03.2020

Coronavirus: Verschnaufpause auch für die bedingungslosen Ultras unter den Federerhofjournalisten. Sie können die Artikel, worin sie «beweisen», Federer bleibe auf immer und ewig der Grösste aller Heiligen und der Erhabenste aller Seligen, obwohl er Gand Slam-mässig überholt worden ist, in der Tiefkühltruhe versorgen.

08.03.2020

Man kann es auch so sehen: SAP bringt die Lebensqualität voran, Audi und Red Bull machen sie kaputt. Oder so: Keine natürliche oder juristische Person darf einen Fussballclub der höchsten Liga zu mehr als 10% besitzen oder finanzieren.

06.12.2019

Am 29.11.2019 hat es ein Journalist des «Tages-Anzeigers» gewagt, das Wort «obszön» mit Roger Federer in Verbindung zu bringen. Das geschah vor dem Hintergrund einer Serie von «Showspielen» in Lateinamerika und war für mich so etwas wie ein längst fälliger Befreiungsschlag aus einem totalitären Würgegriff. Der Text macht nämlich (durchwegs seriös) auf die Abgründe aufmerksam, welche sich hinter Federers «Teflonauftritten» auftun. Ergänzend dazu noch das: Kürzlich habe ich in Tokio ein wenig im peppig aufgemachten Flagship-Store von Uniqlo «herumgewühlt». Die Qualität der Klamotten dort ist sehr gut, die Preise sind aber so niedrig, dass man sich kaum vorstellen kann, keine (Festland-)Sklavenarbeit in den Fingern zu haben. (Die natürlich nicht von den tennisbegeisterten «Systemmillionären» aus Hangzhou verrichtet wurde.)

Federer zu kritisieren ist Gotteslästerung, und wenn es um Religion geht, hört der Spass auf. Das lehren uns nicht nur der Islamische Staat und die jüdischen Siedler in...

03.12.2019

Beat Feuz findet Winterolympiaden in Asien nicht so toll (Interview im «Tages-Anzeiger» vom 29.11.). Wir auch nicht. Wir finden sogar, dass man die Skiweltmeisterschaften ersatzlos abschaffen und stattdessen den Weltcupsiegern der einzelnen Disziplinen die Weltmeistertitel verleihen sollte. In der Formel I ist das seit Urzeiten selbstverständlich, und so gäbe es auch im Skisport diese schrägen Wind-und-Wetter-Zufallsweltmeister nicht mehr, die ihre Titel nachher jahrelang bestätigen wollen und dabei elendiglich scheitern.

Für den Olympiasieg hinwiederum könnte man im Olympiajahr das aus anspruchsvollen «Klassikern» erzielte Punktetotal nehmen. Bei der Herrenabfahrt zum Beispiel wären das Kitzbühel, Wengen, Garmisch, Bormio und Val d’Isère, wobei Kitzbühel dreifach und Wengen doppelt gewichtet würden. Für die Goldmedaille bräuchte es aber mindestens einen Sieg an einer dieser Stationen. (D.h. wer nie gewinnt und trotzdem am meisten Punkte hat, kriegt «bloss» die silbrige. So ähnlich müss...

01.10.2019

Die Fussballerin des Jahres ist endlich einmal wieder eine richtig sympathische Spitzensportlerin. Denn sie unterscheidet sich wohltuend von den anderen 99%, welche bloss Doping fressen, ihren Körper zugrunde richten, die geistige Verblödung in Kauf nehmen, mit hässlichen Rennwagen herumfurzen, Steuern hinterziehen, kitschige Werbungslawinen lostreten, schwachsinnige Interviews geben und/oder patriotisch-nationalistische Scheisse absondern.

Spitzensportler gelten als Vorbilder. Das ist natürlich ein Quatsch, denn was die (siehe oben) im Kopf haben, bringt, im Gegensatz zur Gesinnungsethik von Gandhi, Snowden und Co., dem Normalo überhaupt nichts. Aber wenn es denn schon ein Vorbild braucht, dann ein solches wie Megan Rapinoe. Sie steht voll und ganz zu ihren Werten, sie hat Rückgrat, sie lässt sich weder kaufen noch verbiegen, sie hat Fantasie und Humor, sie ist intelligent, gesellschaftskritisch und sozialkompetent und sie hat auch ästhetisch einen verdammt guten Geschmack. Was will ma...

27.05.2018

Das Beste, was einer wie er nach einer derartigen Katastrophe gegen Real Madrid machen kann, ist, sofort zurückzutreten, ein Jahr lang ins Kloster zu gehen und dann in der untersten Amateurliga wieder ganz von vorn zu beginnen: Busse tun, sich Dilettanten anerbieten, Sicherheit zurückgewinnen, Heldenstatus aufbauen und am Schluss doch noch die Champions League gewinnen, egal mit wem.

Ja, Karius hat einen Riesenmist gebaut, aber seine Vorderleute hätten halt auch Tore schiessen oder ihren Schlussmann besser abschirmen müssen. Und IQ-EQ-XQ-Jahrtausendgenies wie Lothar Matthäus tun jetzt wohl sehr sehr sehr gut daran, endlich für immer und ewig ihr konkurrenzlos höchstbegabtes Maul zu halten. Es ist ganz einfach nichts wert.

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