WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

18.06.2020

Bis heute morgen habe ich nicht gewusst, wer Frau Jäger ist. Aber schliesslich lebe ich ja auch hinter dem Mond, und was die geniale geistige, intellektuelle, künstlerische, kreative und innovative Elite-Avantgarde unserer «Wendezeit» im Moment gerade verrichtet, geht völlig an mir vorbei. Immerhin weiss ich jetzt, dass Frau Jäger eindeutig dazugehört, und klar, ohne die fantastischen Social Media wie Twitter, Instagram, Facebook und Co. geht gar nichts. Als Influencerin ist Frau Jäger bei mehreren Grosskonzernen unter Vertrag. Damit hat sie denn auch das Zeug zur Multimilliardärin und wird Roger Federer wohl bald als oberste nationale Werbepuppe ablösen. Politisch korrekt muss sie nicht sein; Shitstorms always happen. Hauptsache, sie hat ein paar Sportlerdrogen im Rucksack: Das kennen wir von zahlreichen anderen «erfolgreichen Karrieren».  

31.05.2020

Dank der reformierten Kirche, dem Unispital Zürich, der Credit Suisse und der Schoggifabrik Läderach wissen wir jetzt endlich haargenau, was in den Führungsseminaren gelernt wird und wozu das Managercoaching dient. Das Stichwort ist «Teamsolidarität», und zwar gerade dann, wenn schwerwiegende Positionsunterschiede in der Luft liegen. Denn wenn jeder eine Extratour fährt und vor allem wenn man sich dabei noch gegenseitig öffentlich kritisiert, dann ist das Image des Unternehmens und damit auch dasjenige jeder einzelnen Führungskraft kaputt. Für kriminell veranlagte Typen ist das natürlich eine sehr gute Botschaft, und von dieser Veranlagung braucht man ja schon ein paar grössere Brocken, wenn man über andere herrschen will. (Man sagt dem zwar nicht so, sondern man «stellt sich zur Verfügung, um Verantwortung zu übernehmen».) Damit können sie sich nun nämlich ohne jedes Risiko so ziemlich alles erlauben, was Gott verboten hat. Die Teamkollegen wissen entweder gar nichts davon, oder wenn...

13.05.2020

Der «New Deal» und der «Marshallplan» enthielten keine Steuersenkungsrazzien. Damals, nach der Grossen Depression und dem Zweiten Weltkrieg, haben sie ganz genau gewusst, dass das nichts nützt. Statt in nachhaltige Investitionen wandert das gesparte Steuergeld bloss in läppischen Konsum oder auf «Schlafkonten» (mit «Negativzinsen» zu Gunsten der Banken). Heute, nach Corona, scheint man das vergessen zu haben; in vielen Köpfen grassiert immer noch der Glaube an die «Trickle-down-Theorie». Aber die ist nichts als eine Giftmischung aus Elfenbeinturmpalaver, bigottem Kitsch und ideologischer Irreführung. Ausser als «Trickle-up» hat sie noch nie funktioniert. Seriöse Wissenschafter (darunter auch Nobelpreisträger) belegen sogar, dass mit ihrer Umsetzung bestehende Krisen überhaupt nicht bewältigt, sondern sogar neue heraufbeschwört werden. Mit anderen Worten: Das ist ein fertiger Seich, den man spätestens jetzt für immer beerdigen sollte.

03.05.2020

In den globalen Elendsquartieren hungern als Folge der Coronaseuche nun Millionen ohnmächtig ihrem vorzeitigen Tod entgegen. Die Letzten beissen die Hunde. Mit seinem Privatvermögen könnte sie Mark Zuckerberg wohl im Alleingang ein Jahr lang durchfüttern. Stattdessen hat er nichts anderes zu tun als kritische Führungskräfte aus seiner Firma hinauszuekeln und seine Machtstellung noch mehr auszubauen.

Wenn jeweils behauptet wird, hinter solchen oder ähnlichen Manövern (wie zum Beispiel der Librawährung) stecke der missionarische Wille, den jüdischen Weltherrschaftsanspruch in die Tat umzusetzen, habe ich bis jetzt immer gesagt, das sei rassistischer, «verschwörungstheoretischer» Quatsch. In Zukunft werde ich da aber doch etwas vorsichtiger urteilen müssen.   

30.04.2020

«Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert: Der Steuerzahler muss bluten». Das lesen wir fast jeden Tag, aber wer ist denn der Steuerzahler? Viele meinen, das sei der arme Schlucker, der auf einem Bänklein neben dem Bahnhof sein Dosenbier herunterkippt und die leere Dose dann natürlich stehen lässt. Aber der bezahlt garantiert keine Steuern. Das machen nämlich auch wieder nur jene Personen und Firmen, welche viel umsetzen, verdienen, besitzen und konsumieren. «Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert» ist zwar eine unsolidarische Sauerei, aber wenn dann der «Steuerzahler» dafür aufkommen muss, ist das möglicherweise gerade die richtige Lösung. Entscheidend ist freilich, wie gut das ökologische, soziale und kulturelle Belastungsverursacherprinzip greift. Problematisch wird die Geschichte dann, wenn derjenige, welcher sein ganzes Leben in Prunkvillen, Privatjets, Luxuslimousinen und Hochseejachten verbringt, (relativ und absolut) weniger beisteuert als derjenige, der am Bahnhof blos...

29.04.2020

Das wünscht sich der Autohändler Frey. Er hat einen Zeitungsartikel mit dem Titel «Das Auto hat Zukunft» geschrieben und begründet den mit dem virusverseuchten öffentlichen Verkehr. Tüdüüt!

28.04.2020

Das Coronakrisenmanagement ist nicht einfach. Wie bei den Startaufstellungen und den Auswechslungen weiss es jeder besser, und die Lobbyisten geben auch keine Ruhe. Die Gastronomie tut blöd, im Tourismus liegen die Nerven blank, die Tschütteler spielen mit Geistern und die Kulturveranstalter haben keine Ahnung, wie lange sie sich noch mit Online-Ersatzhandlungen amüsieren sollen. Die Krisenmanager können mit ihnen zwar Ausstiegsetappenpläne und Entscheidungstermine aushecken, müssen sich aber davor hüten, überstürzte Freigaben zu beschliessen. Theoretisch ist Gleichbehandlung zwar zwingend, praktisch aber unmöglich.

Bei Ueli Maurers Nothilfeprogramm ist das nicht so wichtig, Hauptsache, Liquidität und Kaufkraft sind (einigermassen) gesichert. Alles andere gehört in das Wiederaufbauprogramm, oder in einen «Marshallplan», wie es diesmal nun richtig heisst. (Statt die Rote Armee ist jetzt einfach die Neue Seidenstrasse der Feind.) Die Feuerwehr kann keine komplizierten Nachhaltigkeitsasses...

01.04.2020

Es gibt Unwörter des Jahres, aber es gibt auch Unwörter des Jahrzehnts und des Jahrhunderts, Dauerunwörter. «Innovativ» ist so eines, «kontraproduktiv» ein anderes, und auch «unternehmerisch» gehört in diesen Topf.

Was «innovativ» ist, wissen wir inzwischen sehr gut, nämlich nur das, was technisch neu ist. Politische Reforminitiativen oder künstlerische Kreativitätsschübe sind nie innovativ, sondern bestenfalls utopisch und/oder verrückt.

«Kontraproduktiv» ist einfach erklärt: So benennt man alle Ideen und Aktionen, die man nicht will, obwohl man so tut, als finde man sie «grundsätzlich» gar nicht so schlecht.    

Aber was ist «unternehmerisch»? Der «Duden» sagt trocken: «Einen Unternehmer betreffend, ihm gemäß, zu ihm gehörend». Wir wollen da etwas «empirischer» sein. Demnach ist «unternehmerisch» vor allem «regulationsavers», d.h. die optimalen «Rahmenbedingungen» (auch so ein fürchterliches Unwort) sind: Keine Steuern, keine Qualitätsnormen, keine Arbeitsgesetze, keine Umwelt...

29.03.2020

Als wir die ewige Top Ten-Rangliste der Wissenschafter aufstellten (Einwurf 222), hatten wir nur einen einzigen Ökonomen darauf (Dennis Meadows), und den eigentlich primär als Ökologen und als Repräsentanten der Interdisziplinarität des Club of Rome. Auch Karl Marx war ein Ökonom, aber ihn schoben wir den Philosophen zu, so wie wir den Urwalddoktor Albert Schweitzer wegen seiner Ethik in der Religion versorgten.

Bei den Ökonomen im engeren Sinn führen wir diese vier zuoberst: Keynes, Smith, Piketty und Sen. Wie Marx ist auch Smith in der humanistisch-aufklärerischen Geistestradition zu Hause. Statt von den Russen und den Chinesen wurde Smith einfach von den Angelsachsen missbraucht. Nie im Leben würden wir daher selbst unter den Top Ten Extremisten wie Hayek oder Friedman klassieren. Das waren im besten Fall Schönwetterprofessoren und im schlechtesten Faschismuspromotoren (Pinochet, Thatcher). Was deren Theorien wert sind, sieht man gerade jetzt mit dem «Prüfstein Corona»: Absolut krise...

27.03.2020

Coronavirus: Anscheinend wollen verschiedene Unternehmen jetzt die Dividenden 19 kürzen und das den bevorstehenden Generalversammlungen so vorschlagen. An sich macht das keine Freude, denn man bestraft damit bloss die Investoren mit langfristigen Anlagehorizonten. Ich kann aber damit leben, wenn gleichzeitig die variablen Vergütungen blockiert und die fixen von VR und GL bei maximal CHF 1 Mio. für Vorsitzende und bei CHF 0.5 Mio. für alle anderen gedeckelt werden.    

«Am gleichen Strick ziehen» heisst «Opfersymmetrie» in allen Bereichen und auf allen Ebenen: Solange die Besitzer von «nicht überlebensnotwendigen Hunden» jeden Tag mehrmals im Quartier oder im Dorf herumspazieren dürfen, lasse ich mich als (mittlerweile wohl schon immunisierter) Rentner auch nicht von meinen wöchentlichen Einkäufen und Waldläufen abhalten.

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