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WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

29.01.2019

«Die Emotionen sind hochgegangen und die Sachlichkeit hat gelitten». Kommt Ihnen das nicht ein bisschen bekannt vor? Oder das: «Den kann man nicht ernst nehmen, weil er sich immer furchtbar aufregt und so seine Umgebung anekelt».

Ein chronisch lauter Motzer ohne entspannende Ausgleichsfunktionen ist und hat tatsächlich ein grösseres Lebensproblem. Aber soll man das bloss ärgerlich oder gar noch lustig finden oder vielleicht grad völlig verdrängen und ausgrenzen? Der Mensch ist nun einmal (Gott sei Dank) keine Maschine; er hat ein Gefühlsleben, und dieses ist grundsätzlich nicht nur schön, sondern sogar überlebenswichtig (Kunst, Vergnügen, Liebe, Sex....). Wer die Sachlichkeit über die Emotionalität stellt, schwatzt also am realen Menschen vorbei und macht ihn kaputt. (Etwa so wie mit dem «Homo oeconomicus».)

Wer eine oder mehrere Milliarden Hartwährung auf der hohen Kante hat, dem fällt es wirklich nicht wahnsinnig schwer, «sachlich» zu sein; nicht einmal eine Weltwirtschaftskrise kann i...

28.01.2019

Die alten Nazis hatten immerhin noch diesen Vorteil: Sie waren grosse Naturfreunde. Von den neuen Nazis kann man das nicht mehr behaupten. Den Klimawandel wollen sie entweder gar nicht wahrhaben, oder er ist ihnen egal. Nach den Hitzewellen und Waldbränden in den USA und in Australien wurde das besonders manifest. Es fehlte eigentlich nur noch die Verlautbarung, die Feuer seien von schmarotzenden Immigranten oder von islamistischen Terroristen gelegt worden.  

Der Dritte Weltkrieg ist aber noch längst nicht ausgebrochen, auch wenn der jetzt wieder durch die Köpfe geistert, und nicht einmal durch die dümmsten. Gerade haben die Parlamente von Mazedonien und Griechenland Rückgrat gezeigt und sich in der völlig lächerlichen Namensfrage auf eine Lösung geeinigt, welche dem primitiven Fussvolk überhaupt nicht passt. Aber wer den Dritten Weltkrieg verhindern will, dem muss das egal sein. Im Osten von Belgien gibt es übrigens eine Provinz Luxemburg und kein Mensch stört sich daran. Limburg...

14.01.2019

Für grosse Reformen braucht es bekanntlich immer mehrere Anläufe, weil es sich die Ewiggestrigen zur Gewohnheit gemacht haben, bei deren Einführung den Weltuntergang heraufzubeschwören. Sie machen das vor allem, wenn Finanz-, Umwelt- und Menschenrechtsthemen zur Diskussion stehen. Die Menschheit würde hoffnungslos verhungern, sagen sie dann. Aber das ist entweder dumm oder frech oder beides zusammen. Sie sagen das nämlich wider besseres Wissen, denn mittlerweile steht fest, dass die grossen Reformen, wenn sie sich zwangsläufig doch einmal durchsetzen, ziemlich genau das Gegenteil eines Weltuntergangs bewirken (siehe AHV, Alpentransit, Bankgeheimnis usw.). Man müsste die notorischen Reformgegner daher eigentlich wegen Friedens- und Wohlstandsverhinderung vor die Gerichte zerren.

Die gleichen Kreise sind dafür sehr wohl fähig, «Reformen» zu propagieren, die gar keine sind. Es handelt sich vielmehr um gigantische Fehlinvestitionen. Ein Beispiel dafür sind die «Handyschulen», vor allem für...

11.01.2019

Wir haben viele an sich sehr gute Bekannte, die man aber nicht zusammen einladen kann, weil sie ununterbrochen und ausschliesslich von sich selber reden. Das können eben nicht alle gleichzeitig. Dabei wäre diese unilaterale verbale Diarrhö gar nicht nötig, denn meistens wird eine Viertelstunde lang referiert, wofür auch fünf Sätze ausreichen würden, mit Ausschweifungen bis zum Gehtnichtmehr und mit ermüdenden Wiederholungen, als wären die Zuhörer taub. Gut, am Schluss sind sie es tatsächlich, und spätestens nach zwei Stunden ist der Mist geführt. Dann ist es einfach nur noch langweilig. Aber die Dauerredner finden trotzdem überall ihr Publikum. Viele sind froh, dass sie sich selber nicht exponieren müssen, zum Beispiel die, welche von der Panik verfolgt werden, mit jedem Komma ein Jahrhundertgeschäftsgeheimnis zu verraten. Andere sind dankbar, dass sie sich nicht als unheilbar dumm entblössen, wenn sie auch etwas Einfaches erst im vierten Anlauf verstehen, und wieder andere finden den...

06.01.2019

Das WEF ist zwar ein Riesending, aber an seinen eigenen Ansprüchen ist Klaus Schwab grandios gescheitert. Er wollte damit ja das «Stakeholder Relations Management» in die Köpfe einpflanzen und den Dialog zwischen Vertretern von Wirtschaft, Politik und Kultur vorantreiben. Spätestens nach dem Kalten Krieg ist dabei aber nur noch der «Davos Man» herausgekommen, eine neoliberaler Kasinokapitalist, der in die Berge kommt, um mit seinesgleichen Geschäfte zu machen, im Rahmen des «Washington Konsenses» wohlverstanden, mit dem Primat der Ökonomie über die Politik, der Konzerne über die Regierungen, der Plutokratie über die Demokratie, des Geldes über den Geist. 

Neuerdings verkommt die allein schon architektonisch hässliche Bergstadt sogar noch zu einem Dreckloch der Twitter-Faschisten. Trump erscheint bereits als Wiederholungstäter, und nun also auch Bolsonaro. Mal schauen, wer da sonst noch hinterher hecheln wird. Boris Johnson? Marine Le Pen? Salvini? Morrison? Netanyahu? Orban? Erdogan? As...

05.01.2019

Wenn man von Musen spricht, meint man meistens Frauen, die Männern helfen, interessante Sachen zu machen. Im besten Fall inspirieren sie sie zu genialen Ideen, im schlechtesten hindern sie sie gerade noch daran, sich zu erschiessen. Heute wären sie «Influencerinnen», denn für sich allein taugen sie ja nichts. Sie brauchen gut funktionierende Übermittlungskanäle. Früher waren das Lebenspartner, jetzt sind es Social Media.     

Die klassischen Musen waren keine mit schwarzer Schminke verschmierte It-Girls, sondern göttliche Erscheinungen. Sie hatten alle ihre spezifischen Wirkungsbereiche in den schönen Künsten, wobei die Philosophie und die Wissenschaften bekanntlich auch noch dazu zählten. Dafür war Kalliope zuständig, die darüber hinaus die epische Dichtung und die Rhetorik «betreute». Im Gegensatz zu diesem Riesenressort hatte Euterpe bloss das Flötenspiel unter sich. Doch das ist die heutige Sicht und man kann sich zumindest mal fragen, warum dieses Flötenspiel fü...

03.01.2019

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Die Themen einer termingerechten Neujahrsansprache wären eigentlich immer dieselben: Frässe, Suufe, Seiche, Schiisse, Chotze, Vögle. Davon wollen wir Sie aber ebenso verschonen wie vom ewiggleichen Manager- und Politiker-Schrott: Unternehmerisch, innovativ, pragmatisch, sachlich, Herausforderungen, Digitalisierung, Globalisierung, Spitzentechnologie, Standortvorteile, Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Duales Bildungssystem, Familie, Freunde, Gemeinschaft, Verwurzelung, Mitgefühl, Wertschätzung, einander zuhören, aufeinander zugehen, ein nettes Wort sagen, Ruhe und Gelassenheit, Einkehr und Besinnung in der «Alltagshektik unserer schnelllebigen Zeit»…. Blablabla….

Aber was bleibt denn jetzt noch? Freiheit oder Gerechtigkeit? Vererbt oder akkulturiert? Was ist wichtiger und zu wie viel Prozent? Wieder so dummes Zeug, das einfach nur langweilt und gar nicht beantwortet werden kann. Die «Sorgen» und «Ängste» der «einfachen Bevölkerung» ernst nehmen? Faschis...

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