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WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

30.12.2019

Sommaruga will mehr Geld für die Bahn. Das macht Sinn. Aber ohne das Parlament geht das leider nicht, und jetzt sind wir gespannt. Die CVP blufft ja immer, sie sei eine Siegerpartei, weil sie allen «tragfähigen Lösungen» zustimmende Mehrheiten verschaffe. Ohne sie kämen «tragfähige Lösungen» erst gar nicht zustande. Was die CVP freilich nie sagt, dass die meisten «tragfähigen Lösungen» nicht zuletzt wegen ihrer angeborenen Reformaversion jeweils schon im Keim erstickt werden. Für die «tragfähigen Lösungen» ist man ja immer bloss, wenn es selbst mit dem schlechtesten Willen nicht mehr anders geht. Mal schauen, was sie nun mit dem Sommaruga-Vorstoss anrichtet. Wir tippen auf die klassisch profillose «Wischiwaschi-Forderung», dass die Beiträge an den Strassenverkehr gleichermassen aufgestockt werden. Ob so etwas im Zeitalter des Klimawandels effektiv noch «tragfähig» wäre, steht natürlich auf einem anderen Blatt. 

29.12.2019

Wissen Sie, was «wirtschaftsfreundlich» ist? Gut, Sie können es sich einfach machen und sich an den Multimilliardären orientieren. Die müssten es ja am besten wissen. Nun ist die Wirtschaft aber für alle da und nicht nur für die. Was deren Wirtschaft nützt, nützt der Wirtschaft von hungernden Migranten wahrscheinlich nicht gerade viel. Oder etwa doch? Sie sehen: Schon haben wir den Salat. 

Das Problem liegt darin, dass «wirtschaftsfreundlich» viel zu schnell mit «marktmächtig» gleichgesetzt wird. Deshalb gelten jene, welche gegen eine asoziale und unökologische Marktmacht antreten, als «wirtschaftsfeindlich», obwohl sie eigentlich für Solidarität und Wohlbefinden einstehen. Mit Wirtschaft hat das a priori gar nichts zu tun. Klar kann sich eine griffige Sozial- und Umweltpolitik negativ auf die Wirtschaft der Multimilliardäre auswirken, d.h. sie muss das sogar. Ob dann die Wirtschaft des Rests der Welt floriert, hängt jedoch davon ab, wie die potenziellen und realen Ressourcen umverteilt...

28.12.2019

Unseren Titel kennen Sie («Faust II», ganz am Schluss). Kürzlich hatten wir ein Wiedersehen mit Peter Shaffers «Amadeus». Ja, das ist Salieri gegen Mozart, wie er auch verfilmt wurde. Mit der «historischen Wahrheit» ist der Dichter zwar ziemlich frei umgegangen, aber das hat schliesslich auch Schiller so gemacht. Im Kern geht es indessen um die Mode und um das, was letztlich davon übrigbleibt.

Gemäss «Amadeus» wusste Salieri darüber sehr gut Bescheid. Andere sind in dieser Hinsicht weniger begabt, geschweige denn prophetisch gewesen. Sie küren irgendeine grölende Singer-Songwriterin, den Cristiano Ronaldo oder den Roger Federer zum grössten Supergenie aller Zeiten und glauben, eine dahergelaufene Influencerin mit ein paar Millionen Followern sei eine quasi unsterbliche Religionsstifterin. Aber das ist natürlich Quatsch. So viel Salieri erlauben wir uns auch: Schon in 20 Jahren wird kein Hahn mehr nach denen schreien.

Aber wer und was bleibt am Schluss wirklich auf ewig? Da wollen wir den...

27.12.2019

Hunderte von Volksinitiativen schwirren uns um die Ohren und es werden immer mehr. Man hat die Übersicht schon längst verloren, vor allem wegen den chronischen Verschleppungen und Zerfleischungsaktionen in diesem auch nach den Wahlen 2019 äusserst destruktiv gebliebenen Bundesparlament. Fuck Unterschriftensammler, aber eines ist sicher: Auf die dringlichste Initiative warten wir immer noch, nämlich auf jene für das Recht auf öffentliche Toiletten.*

Was China und Japan systematisch fertigbringen (wir haben das persönlich sehr schätzen gelernt), muss auch bei uns möglich sein, sonst sind wir wirklich dekadent. Erst kürzlich haben wir einen Ernährungssicherheits-Artikel in die Bundesverfassung gesetzt. Okay, aber an einen Erleichterungssicherheits-Artikel hat kein Mensch gedacht. Dabei ist das untere Ende der Verdauungskette für das körperliche Wohlbefinden und darüber hinaus mindestens so wichtig ist wie das obere.

Auf den Punkt gebracht: In allen Ortschaften und grösseren Quartieren müsse...

21.12.2019

Das amerikanische Parlament hat das Massaker der Türken an den Armeniern endlich auch als Genozid anerkannt, ein rein für sich genommen absolut richtiger Entscheid. Herr Erdogan hat dann natürlich zurückgeschossen und gemeint, die Amerikaner hätten ihrerseits einen Genozid auf dem Gewissen, denjenigen gegen die Indianer. Damit hat auch er vollkommen Recht; er hätte sogar problemlos noch weitere Genozide ins Feld führen können.  

Donald Trump, konsequent wie er ist, hat sich sofort vom Entscheid des Parlaments distanziert. Es ist klar, dass es für ihn gar keine Genozide gibt, denn er will sich ja die Freiheit erhalten, selber solche zu veranstalten, ohne dass es dabei ein Theater gibt. Wahrscheinlich würde er auch den Holocaust ableugnen, wenn er ohne die Unterstützung von fundamentalistischen Juden und Christen regieren könnte.   

Genozide sind immer schlecht, selbst wenn «nur» 5000 Personen massakriert wurden. Trotzdem darf man auch hier die Verhältnismässigkeit nicht aus...

16.12.2019

Wer offene Ohren hat, dem fällt auf, dass das apokalyptische Lamento derzeit Hochkonjunktur hat. Eine «letzte Chance» jagt die andere und vielen wird ganz sturm dabei. In der Tat: Auch die Umweltkonferenz von Madrid war wieder nichts als zum Fenster hinausgeschmissenes Geld. (So etwas wollen wir jetzt definitiv nie mehr.) Die Börsenkurse sind hoffnungslos aufgebläht. In den Regierungen und vor allem in den Parlamenten machen sich lauter infantile Faschisten und andere kleinkarierte Deppen breit, die keine Ahnung davon haben, was in der grossen Welt wirklich abgeht usw. Die «unheilige Allianz» von Kasinokapitalismus in der Wirtschaft und Rechtsextremismus in der Politik verursacht Kopfweh.

Aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Alle haben ihre Kehrseite, selbst rücksichtslose Idioten. Sie sind nämlich nicht nur schändlich, sondern auch lustig. Das Jahr 2020 hat sogar das Zeug, aussergewöhnlich lustig zu werden.

  

Das grösste bereits angelaufene Kabarett ist die Selbstdemontage der a...

13.12.2019

Unlängst sind die bekannten SVP-Politiker Köppel und Mörgeli in einem Restaurant mit Milchshake abgewaschen worden. Das ist natürlich eine Sauerei, die man niemandem gönnt. Grosse Entrüstung allerseits, man verurteilt wie üblich «aufs Schärfste». Auch wir haben kein Verständnis für solche Sachen, sehr wohl aber Erklärungen. (Das ist nicht dasselbe; das schrieben wir schon nach dem 11.09.2001 und wiederholt im Zusammenhang mit den von den Neofaschisten erfundenen und geschürten «Ängsten in der Bevölkerung».)  

Die Kernfragen sind: «Wer geht gegen wen vor?», «Wer hat provoziert und wer hat reagiert?» und vor allem «Wo liegen die Gründe dafür?» Nach unserem Wissensstand lassen die Radaubrüder des Schwarzen Blocks hilflose Behinderte, alte Frauen, kleine Kinder und kranke Tiere in Ruhe und stürzen sich primär auf rücksichtslose Machthaber, deren «Vollstrecker» (siehe oben) und deren Besitz. Also auf Personen, welche für die Umweltzerstörung, den Neofaschismus, die Raffgier, Allianzen m...

12.12.2019

Hat ein Chef zehn Leute in seinem Team, sind ihm sicher fünf davon fachlich überlegen, vielleicht nicht durchs Band, aber doch in mehreren betrieblich wichtigen Angelegenheiten. Wie soll er sich nun verhalten? Wenn er eine Führungspumpe ist, dann hat er grundsätzlich zwei Optionen: Nachgeben und Platz machen oder Mobben und Hinausekeln. Option 1 ist aber masochistisch und funktioniert normalerweise nur, wenn er von seinem eigenen Vorgesetzten desavouiert wird. Option 2 hingegen ist zwar infantil und «alte Schule», leider aber nach wie vor sehr populär. Das Motto ist «Teile und herrsche», d.h. man hetzt die Cracks aufeinander los, indem man ihnen zum Beispiel identische Aufträge erteilt, ohne dass sie das merken. Oder man gibt ihnen für ein und dasselbe Geschäft unterschiedliche Anweisungen usw.  

       

Wenn der Chef keine Führungspumpe ist, dann weiss er, dass seine Rolle nicht darin besteht, überall der fachlich Beste zu sein (das geht ja gar nicht), sond...

11.12.2019

Transparenz ist, wenn man nicht nur seine grossartigen Erfolge in die Welt hinaustwittert, sondern auch seine weniger grossartigen Defizite öffentlich darlegt. Das UVEK zum Beispiel macht das gut (Klimapolitik), das EDA kann es nicht (EU-Rahmenvertrag). Sogar die Amerikaner haben sich dazu durchgerungen, wenigstens bezüglich Afghanistan, etwas spät zwar und nur dank kritischen Medien und unbestechlichen Gerichten, aber immerhin. (Joschka Fischer wird keine Freude haben.)

10.12.2019

Die Denkfabrik «Avenir Suisse» hat eine Kantonsrangliste herausgegeben, welche ihren hauseigenen «Freiheitsindex» widerspiegelt. Wenn man diese Rangliste anschaut, stellt sich allerdings rasch einmal die Frage, ob man sie überhaupt ernst nehmen kann. Oder Fragen wie: Was verstehen die eigentlich unter Freiheit? Was bezwecken sie mit ihrem Index? Werden da Äpfel mit Birnen verglichen? usw.

Der Reihe nach: Gemacht hat das Rennen der Kanton Schwyz, zuunterst im Reich des Bösen schmort zum wiederholten Mal der Kanton Genf. Aber die sind dort anscheinend so blöd, dass ihnen das gefällt, denn sonst wären sie ja längst ausgewandert. Überhaupt fällt auf, dass die Kantone mit den grossen Zentren, ausgenommen Basel, durchwegs die untere Ranglistenhälfte zieren, wo es nach Diktatur stinkt. Dabei waren wir doch stets davon ausgegangen, dass Stadtluft frei mache, den Ideenaustausch vorantreibe, die Wissenschaft, die Industrie, den Wohlstand und die Demokratie. Weder der Traktor noch das Frauenstimmr...

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