WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

30.04.2020

«Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert: Der Steuerzahler muss bluten». Das lesen wir fast jeden Tag, aber wer ist denn der Steuerzahler? Viele meinen, das sei der arme Schlucker, der auf einem Bänklein neben dem Bahnhof sein Dosenbier herunterkippt und die leere Dose dann natürlich stehen lässt. Aber der bezahlt garantiert keine Steuern. Das machen nämlich auch wieder nur jene Personen und Firmen, welche viel umsetzen, verdienen, besitzen und konsumieren. «Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert» ist zwar eine unsolidarische Sauerei, aber wenn dann der «Steuerzahler» dafür aufkommen muss, ist das möglicherweise gerade die richtige Lösung. Entscheidend ist freilich, wie gut das ökologische, soziale und kulturelle Belastungsverursacherprinzip greift. Problematisch wird die Geschichte dann, wenn derjenige, welcher sein ganzes Leben in Prunkvillen, Privatjets, Luxuslimousinen und Hochseejachten verbringt, (relativ und absolut) weniger beisteuert als derjenige, der am Bahnhof blos...

29.04.2020

Als vor gut einem Jahrzehnt die Finanzkrise wütete, sagten «namhafte Experten» den Kollaps des Euro und der EU voraus. In der Coronakrise kommen sie nun wieder mit dem gleichen Quark. Es ist offensichtlich, dass da stets ein rassistischer Urwunsch der Vater des Gedankens ist, aber auch diesmal wird er nicht in Erfüllung gehen, vor allem jetzt, wo man sieht, welche Sauerei sich die Engländer mit dem Brexit eingebrockt haben. Die auch für den «europäischen Corona-Marshallplan» geforderten «Eurobonds» scheiterten zwar erneut. Das nächste Mal wird es aber klappen, denn so nah wie heute waren wir noch nie dran.

Auch in Deutschland haben sie mittlerweile gemerkt, dass der mediterrane Bogen von Katalonien nach Venetien ein viel grösseres wirtschaftliches Potenzial aufweist als die ehemalige DDR. Sie können einfach noch nicht über den eigenen Schatten springen und das so direkt zugeben. Wer die Eurobonds nicht will, müsste konsequenterweise ja auch den Euro wieder abschaffen und Bundesländeranl...

29.04.2020

Das wünscht sich der Autohändler Frey. Er hat einen Zeitungsartikel mit dem Titel «Das Auto hat Zukunft» geschrieben und begründet den mit dem virusverseuchten öffentlichen Verkehr. Tüdüüt!

28.04.2020

Das Coronakrisenmanagement ist nicht einfach. Wie bei den Startaufstellungen und den Auswechslungen weiss es jeder besser, und die Lobbyisten geben auch keine Ruhe. Die Gastronomie tut blöd, im Tourismus liegen die Nerven blank, die Tschütteler spielen mit Geistern und die Kulturveranstalter haben keine Ahnung, wie lange sie sich noch mit Online-Ersatzhandlungen amüsieren sollen. Die Krisenmanager können mit ihnen zwar Ausstiegsetappenpläne und Entscheidungstermine aushecken, müssen sich aber davor hüten, überstürzte Freigaben zu beschliessen. Theoretisch ist Gleichbehandlung zwar zwingend, praktisch aber unmöglich.

Bei Ueli Maurers Nothilfeprogramm ist das nicht so wichtig, Hauptsache, Liquidität und Kaufkraft sind (einigermassen) gesichert. Alles andere gehört in das Wiederaufbauprogramm, oder in einen «Marshallplan», wie es diesmal nun richtig heisst. (Statt die Rote Armee ist jetzt einfach die Neue Seidenstrasse der Feind.) Die Feuerwehr kann keine komplizierten Nachhaltigkeitsasses...

27.04.2020

Wir sind ja stets ausgesprochen herrschaftskritisch und äussern uns auch entsprechend, aber im Fall des Corona-Krisenmanagements dürfen wir bedenkenlos schreiben, dass der Bundesrat seinen Job ausgezeichnet macht. Mit den kleinen Fehlentscheiden und Unterlassungen halt, die immer passieren. Jedenfalls möchten wir jetzt weder von Boris Johnson noch von Donald Trump regiert werden. (Von Putin, Xi Jinping, Bolsonaro, Modi und Co. reden wir gar nicht.)

Wenn man das Vaginalpiercing und die Zuckerwattefrisur (Walker-Späh) aber zu systemrelevanten Kunstwerken salbt und den Parteien für eine einwöchige Seifenoper eine millionenschwere Ausnahmebewilligung ausstellt, dann sollen sie nun bitte auch den Abstimmungskalender sofort wieder in Kraft setzen. Internet, Medien und Post funktionieren perfekt; mehr braucht es nicht. Das Stimmvolk ist viel weniger dumm und folglich auch viel weniger reaktionär als die Parteien und kann auch auf deren Bahnhofs- und Strassenkreuzungsschmierereien verzichten. (...

25.04.2020

Stellen Sie sich vor, der Schweiz steht in den nächsten paar Minuten ein flächendeckender Bombenangriff bevor und der General will auf den Abwehrknopf drücken, darf aber nicht, weil die «Sicherheitsdelegation» des Parlaments dagegen ist. Sie sagt, die Operation werde misslingen, weil die Soldaten gestern abend die falschen Osterhasen gegessen hätten.

Etwa so malen sich unsere Parlamentarier ein «rechtsstaatlich legitimiertes» Postcorona-Krisenmanagement aus. Ausgerechnet für Notlagen fordern sie in Untätigkeit versumpfende und Chaos veranstaltende Parallelregierungen. So etwas bringt man ja bloss fertig, wenn man mehrere luxuriös aufgeplusterte Dienstreisen in Venezuela und in Afghanistan hinter sich hat.  

Wenn die ideologisch und monetär vergifteten Parteipolitiker nicht schnellstens aufhören, im Ungeist von Donald Trump auf charakterlich integre und fachlich qualifizierte Krisenmanager loszudreschen und unnötige soziale Unruhen anzuzetteln, muss eines schönen Tages wirklich «gnadenlos...

23.04.2020

Heute wollen wir die «Coronagefängnisgedanken» der Einwürfe 261, 263 und 265 noch etwas vertiefen. Zu diesem Zweck zitieren wir Dietrich Bonhoeffer. Der wurde vor 75 Jahren in einem Konzentrationslager ermordet und war ein «doppelter» Gefängnisexperte. Die Publikation «Widerstand und Ergebung» enthält Briefe aus seiner «Todeshaft» und den zuvor (1942/43) verfassten Text «Nach zehn Jahren» aus dem «Kerker» der totalitären Herrschaft. Darin wird diese Herrschaft mit den Werten einer humanistischen Gesellschaft konfrontiert. Bonhoeffer griff das Regime zwar nicht direkt an (das konnte er ja gar nicht), aber allein schon die Untertitel verraten, was in zehn Jahren Hitlerei alles falsch lief. Zum Thema «Qualitätsgefühl» lesen wir das:    

«Es geht auf der ganzen Linie um das Wiederfinden verschütteter Qualitätserlebnisse, um eine Ordnung auf Grund von Qualität. Qualität ist der stärkste Feind jeder Art von Vermassung. Gesellschaftlich bedeutet das den Verzicht auf die Jagd nach Pos...

22.04.2020

Das Volk und seine Medien wollen "zurück zur Normalität". Auf den ersten Blick ist das verständlich, denn untätig herumhocken ist kein Lebensentwurf. Die Frage ist nur, wie man "Normalität" denn definieren soll. Vieles, was vor der Krise "normal" war, war nämlich überhaupt nicht "normal". "Zurück zur Normalität" kann ja wohl nicht heissen, dass man auch den ganzen Schwach- oder gar Wahnsinn wiederherstellt, an den man sich im Laufe der Jahre gewöhnt hat, an asoziale, unökologische, ungesunde, sinn- und wertlose Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen, bloss weil sie reich, Spass und süchtig machen. Die Ewiggestrigen monieren nun zwar, man soll den Wiederaufbau nicht dazu "missbrauchen", Forderungen durchzusetzen, welche bisher (warum auch immer) gescheitert sind. Aber wer vermeiden will, Zündstoff für die nächste globale Krise zu legen, für den ist klar: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt für soziale, ökologische, gesunde, sinn- und wertvolle Reformen. Wird er nicht genutzt, versum...

21.04.2020

Hans Meier war lange, bis weit in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, ein richtig bodenständiger Eidgenosse. Als es jeweils darum ging, die politischen Behörden zu bestellen, wählte er deshalb konsequent immer «bürgerlich». Die BGB mochte er, weil sie für mittelständische Qualität, Solidität und Zuverlässigkeit stand, an der FDP schätzte er die Weltoffenheit, die kulturelle Kompetenz und die unternehmerische Verantwortung und an den christlichen Parteien (CVP und EVP) die Ethik einer solidarischen Gesellschaft. In einer derartigen Konstellation brauchte es weder rote noch grüne Querschläger, denn die «Bürgerlichen» hatten die Läden im Griff, und die Opposition war allenfalls noch interessant für originelle Ideen und gewerkschaftliche «Einbindungen». (Worauf die sich immer sehr gerne einliessen, weil das doch da und dort noch etwas «Batzi» gab.)

Aber dann kamen die Amerikaner und mit ihnen die Neonazis. In der Eidgenossenschaft war vor allem Christoph Blocher für diesen Tren...

16.04.2020

Das Coronavirus hat uns eingesperrt, dabei gehört die Bewegungsfreiheit zu den wichtigsten Grundrechten überhaupt. So etwas hat man nicht gern, zumal die reale Welt nach wie vor viel, viel, viel besser ist als die virtuelle. Seit Steve Jobs und Mark Zuckerberg hat der «Mainstream» das zwar nicht mehr so recht geglaubt, aber inzwischen ist auch der wieder auf den «natürlichen» Geschmack gekommen, zumindest ein namhafter Teil von ihm.

Das Home Office entlastet zwar die Verkehrsnetze und die Umwelt, aber der unverbindliche und nicht unwesentliche Small Talk fehlt, und eine reale Sitzung ist einer Videokonferenz ganz einfach haushoch überlegen. Vor allem dann, wenn es um «harte Sachen» geht, ist es wichtig, dass die Gespräche ohne technische Hürden fliessen und dass man das «Atmosphärische» adäquat wahrnimmt, inkl. Ganzkörperhaltungen und -bewegungen. (Wenn nicht, ist die Sitzung eh überflüssig.)

Auch das Home Schooling hat zahlreiche Vorteile. Wo normalerweise die Hälfte der Lernzeit mit di...

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