Einwurf 461: Smartphones und Detailkrämerei


Über die Vor- und Nachteile von Smartphones kann man episch diskutieren, auch wenn wahrscheinlich 99% der Menschheit nie mehr im Leben darauf verzichten möchten, und sei es bloss wegen den idiotischen Influencerinnen und den noch viel idiotischeren Selfies. Sicher ist aber, dass der kleine Bildschirm nicht nur für die Augen schlecht ist, sondern auch für das Hirn. Denn mit ihm geht die «Helicopter View» zugrunde, also die Fähigkeit, grossflächig und flächendeckend oder eben «top-down» zu perzipieren und zu reflektieren. Stattdessen verliert man sich im «Mikromanagement» und im Wust von Millionen bedeutungsloser Details. Kein Wunder, drehen deswegen immer mehr Leute durch. Sie können dieses endlose Zeug ja je länger desto weniger auch nur noch ansatzweise «schubladisieren».


Am Smartphone ist es rein technisch gar nicht möglich, mit Übersichten zu operieren. Man kann sie zwar herunterladen, aber sie sind schlicht unlesbar. Kein Vergleich allein schon mit einem grossen Tischgerät oder mit einer Zeitung oder gar mit mehreren parallel aufgeschlagenen Büchern, Karten, Tabellen etc.


Wer seine Nerven im Griff haben will, braucht Instrumente, welche variantenreiche, ganzheitliche Entscheidungsgrundlagen liefern und nicht einfach bloss eine zufällige Abfolge einzelner Daten, denen man kontextlos ausgeliefert ist. Ein Leben, das sich weitgehend auf den Blick in das Smartphone beschränkt, ist daher nicht nur armselig, sondern auch höchstgradig ungesund, selbst wenn oder gerade weil die Daten dort so unschuldig vorübersprudeln wie eiskalte Bergbäche.


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