WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

Neue Geschichten aus dem echten Leben: Die Fortsetzung der WPK-Tetralogie in der Gestalt von Wochenblogs (bis 2017) und Einzeleinwürfen (ab 2018). Hier werden heilige Kühe geschlachtet und durch unterwerfungsresistente Paradiesvögel ersetzt: Für Leute, denen sperriges Zeug Freude macht und die mithelfen wollen, von Gesinnungsdiktatoren und ihren „nützlichen Idioten“ kultivierte Tabus in heisse (oder kalte) Luft aufzulösen. Wir übertreiben nie, sondern denken bloss dort zu Ende, wo andere längst kalte Füsse gekriegt haben.

Einwurf 272: Der Steuerzahler

«Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert: Der Steuerzahler muss bluten». Das lesen wir fast jeden Tag, aber wer ist denn der Steuerzahler? Viele meinen, das sei der arme Schlucker, der auf einem Bänklein neben dem Bahnhof sein Dosenbier herunterkippt und die leere Dose dann natürlich stehen lässt. Aber der bezahlt garantiert keine Steuern. Das machen nämlich auch wieder nur jene Personen und Firmen, welche viel umsetzen, verdienen, besitzen und konsumieren. «Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert» ist zwar eine unsolidarische Sauerei, aber wenn dann der «Steuerzahler» dafür aufkommen muss, ist das möglicherweise gerade die richtige Lösung. Entscheidend ist freilich, wie gut das ökol

Einwurf 271: Solidarität oder Nationalsozialismus

Als vor gut einem Jahrzehnt die Finanzkrise wütete, sagten «namhafte Experten» den Kollaps des Euro und der EU voraus. In der Coronakrise kommen sie nun wieder mit dem gleichen Quark. Es ist offensichtlich, dass da stets ein rassistischer Urwunsch der Vater des Gedankens ist, aber auch diesmal wird er nicht in Erfüllung gehen, vor allem jetzt, wo man sieht, welche Sauerei sich die Engländer mit dem Brexit eingebrockt haben. Die auch für den «europäischen Corona-Marshallplan» geforderten «Eurobonds» scheiterten zwar erneut. Das nächste Mal wird es aber klappen, denn so nah wie heute waren wir noch nie dran. Auch in Deutschland haben sie mittlerweile gemerkt, dass der mediterrane Bogen von Kat

Einwurf 270: Corona hat Zukunft

Das wünscht sich der Autohändler Frey. Er hat einen Zeitungsartikel mit dem Titel «Das Auto hat Zukunft» geschrieben und begründet den mit dem virusverseuchten öffentlichen Verkehr. Tüdüüt!

Einwurf 269: Nothilfe, Marshallplan und Opfersymmetrie

Das Coronakrisenmanagement ist nicht einfach. Wie bei den Startaufstellungen und den Auswechslungen weiss es jeder besser, und die Lobbyisten geben auch keine Ruhe. Die Gastronomie tut blöd, im Tourismus liegen die Nerven blank, die Tschütteler spielen mit Geistern und die Kulturveranstalter haben keine Ahnung, wie lange sie sich noch mit Online-Ersatzhandlungen amüsieren sollen. Die Krisenmanager können mit ihnen zwar Ausstiegsetappenpläne und Entscheidungstermine aushecken, müssen sich aber davor hüten, überstürzte Freigaben zu beschliessen. Theoretisch ist Gleichbehandlung zwar zwingend, praktisch aber unmöglich. Bei Ueli Maurers Nothilfeprogramm ist das nicht so wichtig, Hauptsache, Liqu

Einwurf 268: Oberste Systemrelevanz: Direkte Demokratie

Wir sind ja stets ausgesprochen herrschaftskritisch und äussern uns auch entsprechend, aber im Fall des Corona-Krisenmanagements dürfen wir bedenkenlos schreiben, dass der Bundesrat seinen Job ausgezeichnet macht. Mit den kleinen Fehlentscheiden und Unterlassungen halt, die immer passieren. Jedenfalls möchten wir jetzt weder von Boris Johnson noch von Donald Trump regiert werden. (Von Putin, Xi Jinping, Bolsonaro, Modi und Co. reden wir gar nicht.) Wenn man das Vaginalpiercing und die Zuckerwattefrisur (Walker-Späh) aber zu systemrelevanten Kunstwerken salbt und den Parteien für eine einwöchige Seifenoper eine millionenschwere Ausnahmebewilligung ausstellt, dann sollen sie nun bitte auch den

Einwurf 267: Management by Corruption Mercenaries

Stellen Sie sich vor, der Schweiz steht in den nächsten paar Minuten ein flächendeckender Bombenangriff bevor und der General will auf den Abwehrknopf drücken, darf aber nicht, weil die «Sicherheitsdelegation» des Parlaments dagegen ist. Sie sagt, die Operation werde misslingen, weil die Soldaten gestern abend die falschen Osterhasen gegessen hätten. Etwa so malen sich unsere Parlamentarier ein «rechtsstaatlich legitimiertes» Postcorona-Krisenmanagement aus. Ausgerechnet für Notlagen fordern sie in Untätigkeit versumpfende und Chaos veranstaltende Parallelregierungen. So etwas bringt man ja bloss fertig, wenn man mehrere luxuriös aufgeplusterte Dienstreisen in Venezuela und in Afghanistan hi

Einwurf 266: Der ultimative Persönlichkeitstest

Heute wollen wir die «Coronagefängnisgedanken» der Einwürfe 261, 263 und 265 noch etwas vertiefen. Zu diesem Zweck zitieren wir Dietrich Bonhoeffer. Der wurde vor 75 Jahren in einem Konzentrationslager ermordet und war ein «doppelter» Gefängnisexperte. Die Publikation «Widerstand und Ergebung» enthält Briefe aus seiner «Todeshaft» und den zuvor (1942/43) verfassten Text «Nach zehn Jahren» aus dem «Kerker» der totalitären Herrschaft. Darin wird diese Herrschaft mit den Werten einer humanistischen Gesellschaft konfrontiert. Bonhoeffer griff das Regime zwar nicht direkt an (das konnte er ja gar nicht), aber allein schon die Untertitel verraten, was in zehn Jahren Hitlerei alles falsch lief. Zum

Einwurf 265: Zurück zum Schwachsinn?

Das Volk und seine Medien wollen "zurück zur Normalität". Auf den ersten Blick ist das verständlich, denn untätig herumhocken ist kein Lebensentwurf. Die Frage ist nur, wie man "Normalität" denn definieren soll. Vieles, was vor der Krise "normal" war, war nämlich überhaupt nicht "normal". "Zurück zur Normalität" kann ja wohl nicht heissen, dass man auch den ganzen Schwach- oder gar Wahnsinn wiederherstellt, an den man sich im Laufe der Jahre gewöhnt hat, an asoziale, unökologische, ungesunde, sinn- und wertlose Geschäftsmodelle, Produkte und Dienstleistungen, bloss weil sie reich, Spass und süchtig machen. Die Ewiggestrigen monieren nun zwar, man soll den Wiederaufbau nicht dazu "missbrauche

Einwurf 264: Hans Meier selig

Hans Meier war lange, bis weit in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, ein richtig bodenständiger Eidgenosse. Als es jeweils darum ging, die politischen Behörden zu bestellen, wählte er deshalb konsequent immer «bürgerlich». Die BGB mochte er, weil sie für mittelständische Qualität, Solidität und Zuverlässigkeit stand, an der FDP schätzte er die Weltoffenheit, die kulturelle Kompetenz und die unternehmerische Verantwortung und an den christlichen Parteien (CVP und EVP) die Ethik einer solidarischen Gesellschaft. In einer derartigen Konstellation brauchte es weder rote noch grüne Querschläger, denn die «Bürgerlichen» hatten die Läden im Griff, und die Opposition war allenfalls noc

Einwurf 263: Home and Away

Das Coronavirus hat uns eingesperrt, dabei gehört die Bewegungsfreiheit zu den wichtigsten Grundrechten überhaupt. So etwas hat man nicht gern, zumal die reale Welt nach wie vor viel, viel, viel besser ist als die virtuelle. Seit Steve Jobs und Mark Zuckerberg hat der «Mainstream» das zwar nicht mehr so recht geglaubt, aber inzwischen ist auch der wieder auf den «natürlichen» Geschmack gekommen, zumindest ein namhafter Teil von ihm. Das Home Office entlastet zwar die Verkehrsnetze und die Umwelt, aber der unverbindliche und nicht unwesentliche Small Talk fehlt, und eine reale Sitzung ist einer Videokonferenz ganz einfach haushoch überlegen. Vor allem dann, wenn es um «harte Sachen» geht, ist

Einwurf 262: Die Nazikeule

«Lieber arm denn blutbefleckt» verkündeten Dürrenmatts Güllener standhaft, solange sie noch nicht von der Geldgier zerfressen waren. «Lieber bescheiden als faschistisch» sagen wir heute, wo Trumps Amerikaner nun auch die WHO im Stich lassen. Es heisst, die Nazikeule werde viel zu schnell und viel zu oft geschwungen. Aber schauen Sie mal genau hin, wer das kolportiert. Das sind nämlich regelmässig nur Leute, welchen selber eine «integrale» egoistische Rücksichtslosigkeit ins Gesicht geschrieben steht, und wenn sie dann noch von «Kontraproduktivität» palavern, entlarven sie ihren schlechten Charakter erst recht. («So tun als ob…») Sie können das alles zwar sehr nett vortragen, doch wenn es har

Einwurf 261: «Positive Signale» – nein danke

Coronakrise: Die ganze Welt ist süchtig auf «positive Signale» und wühlt zu diesem Zweck krampfhaft in irgendwelchen sich widersprechenden oder anderen nichtssagenden Zahlenbergen herum. Gleichzeitig verbreitet sie aber «negative Signale» im Sekundentakt: Man müsse jetzt «durchhalten», die Notmassnahmen «ausstehen», sich gedulden, die Nerven nicht verlieren, und dergleichen Zeug. So ein Schwachsinn! Wir hatten soeben die frohesten Ostern aller Zeiten: So viel Ruhe und Gelassenheit, so viele Spaziergänger, Wanderer, Jogger und Velofahrer in so viel schöner Natur gab es noch nie! Sonne, Mond und Sternen zuschauen, saubere, frische Luft einatmen, den Vögeln zuhören, Blumen, Sträucher und Bäume

Einwurf 260: Ansteckung macht Spass

Boris Johnson sprintet voraus, Christoph Blocher und Petra Gössi rennen ihm hinterher: Sich anstecken lassen macht Spass. Gut, wenn es ums Verrecken sein muss…. Ich bleibe zu Hause; die Virusgeschäfte können mir gestohlen bleiben.

Einwurf 259: Corona-Homeoffice

(Fortsetzung von 253) Freitagnachmittag im Sihlwald und auf dem Horgenberg: Papi mit Kindern, so weit die Augen reichen: Vitaparcours, Finnenbahn, Velo fahren, Verstecken spielen, Bächli stauen, Steckli sammeln, Fürli machen, Wurst braten, Tschüttele, Rutze. Ab und zu einfach mal ein Telefon. «So tun als ob» ist immer noch besser als totale Funkstille (die eh keiner mehr aushält).

Einwurf 258: Die Natur schlägt zurück

Coronavirus: Dass die Natur «zurückschlägt», haben wir schon beim «Club of Rome» gelesen («Die Grenzen des Wachstums», lange ist’s her). Darum nehmen wir auch jetzt alles ziemlich gelassen und weigern uns eisern, durchzudrehen. Die vielen Toten und die kaputte Wirtschaft sind zwar nicht lustig, aber irgendwann musste sowas ja kommen. Der «Club of Rome» hat dargelegt, was bei einer massiven Störung der «Balance» von Weltbevölkerung, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und Rohstoffausbeutung passiert. Wenn nur einer dieser fünf Faktoren aus dem Ruder gerät, reisst er die anderen automatisch mit. Von chinesischen Tiermärkten und von Schleuderpreis-Massentourismus i

Einwurf 257: Wem gehört das Steuergeld?

Im Rahmen des Corona-Krisenmanagements fällt auf, dass «gute Steuerzahler» nun die Idee herumposaunen, das vom Staat eingezogene Steuergeld gehöre «ihnen». Doch das ist rechtsradikaler Unsinn. Sobald ein demokratischer Rechtsstaat sein Steuergeld hat, gehört es ihm und somit der Allgemeinheit. Abgesehen davon hat ein zivilisierter Staat unter anderem ja auch die Aufgabe, die Steuern vor allem dort einzutreiben, wo übermässig bzw. asozial viel Geld gerafft und gehortet wird, also Geld, das, wenn nicht rechtlich, so doch moralisch ganz klar der Allgemeinheit gehört. Wie wär’s mit einer «Coronasteuer» auf Vermögen von 10 Millionen Franken und aufwärts? Man könnte auch ihren Ertrag sowohl für wi

Einwurf 256: Der Corona-Messias

Coronakrise: Die parlamentarischen Schwätzer, die meinen, die Demokratie für sich gepachtet zu haben, geben keine Ruhe. Sie rotten sich zusammen und verhalten sich entsprechend «unvorbildlich» (Ansammlungen). In ihren Äusserungen zum Krisenmanagement sind sie bis jetzt aber auffallend brav geblieben. Einzige Ausnahme: Der Steinzeitnationalrat Christoph Blocher. Als hätte die ganze Welt ausgerechnet auf einen Messias seiner Art gewartet. Er soll doch bitte endlich seine Karriere als «feindeidgenössischer» Spaltpilz und Unruhestifter abschliessen und in ein Altersheim verschwinden.

Einwurf 255: Der Bundesanwalt

Während sich Tausende wegen der Coronakrise in Existenznöten befinden, fällt dem Bundesanwalt nichts Besseres ein als gegen eine kleine Reduktion seines hohen Lohns zu prozessieren, welche völlig zu Recht gegen ihn verfügt worden ist. Der Mann hat wirklich nicht alle Tassen im Schrank und ist seinerseits ein öffentliches Risiko, das man schnellstmöglich beseitigen sollte. Er kann ja zur FIFA wechseln; dort nehmen sie ihn sicher.

Einwurf 254: Unternehmerisch

Es gibt Unwörter des Jahres, aber es gibt auch Unwörter des Jahrzehnts und des Jahrhunderts, Dauerunwörter. «Innovativ» ist so eines, «kontraproduktiv» ein anderes, und auch «unternehmerisch» gehört in diesen Topf. Was «innovativ» ist, wissen wir inzwischen sehr gut, nämlich nur das, was technisch neu ist. Politische Reforminitiativen oder künstlerische Kreativitätsschübe sind nie innovativ, sondern bestenfalls utopisch und/oder verrückt. «Kontraproduktiv» ist einfach erklärt: So benennt man alle Ideen und Aktionen, die man nicht will, obwohl man so tut, als finde man sie «grundsätzlich» gar nicht so schlecht. Aber was ist «unternehmerisch»? Der «Duden» sagt trocken: «Einen Unternehmer betre

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