WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

Neue Geschichten aus dem echten Leben: Die Fortsetzung der WPK-Tetralogie in der Gestalt von Wochenblogs (bis 2017) und Einzeleinwürfen (ab 2018). Hier werden heilige Kühe geschlachtet und durch unterwerfungsresistente Paradiesvögel ersetzt: Für Leute, denen sperriges Zeug Freude macht und die mithelfen wollen, von Gesinnungsdiktatoren und ihren „nützlichen Idioten“ kultivierte Tabus in heisse (oder kalte) Luft aufzulösen. Wir übertreiben nie, sondern denken bloss dort zu Ende, wo andere längst kalte Füsse gekriegt haben.

Einwurf 295: Grundlegende Führungsprinzipien

Dank der reformierten Kirche, dem Unispital Zürich, der Credit Suisse und der Schoggifabrik Läderach wissen wir jetzt endlich haargenau, was in den Führungsseminaren gelernt wird und wozu das Managercoaching dient. Das Stichwort ist «Teamsolidarität», und zwar gerade dann, wenn schwerwiegende Positionsunterschiede in der Luft liegen. Denn wenn jeder eine Extratour fährt und vor allem wenn man sich dabei noch gegenseitig öffentlich kritisiert, dann ist das Image des Unternehmens und damit auch dasjenige jeder einzelnen Führungskraft kaputt. Für kriminell veranlagte Typen ist das natürlich eine sehr gute Botschaft, und von dieser Veranlagung braucht man ja schon ein paar grössere Brocken, wenn

Einwurf 294: Die Chefs der «zweiten Welle»

Dem Bundesbeamten Koch wird vorgeworfen, seine Krisenmanagementmacht sei zu gross (gewesen). Gut, dann sagen wir im Hinblick auf eine allfällige «zweite Welle» jetzt schon, wer es besser kann: Thomas Aeschi und Roger Köppel. Demokratisch legitimiert, fachlich kompetent, juristisch geschult, medial versiert und charakterlich integer: Das absolute Dreamteam. Die Herren Trump, Bolsonaro, Putin und Orban jedenfalls nähmen sie wohl per Handschlag und für Millionenhonorare.

Einwurf 293: Nach der Krise ist vor der Krise

Viele sagen, auch nach der Coronakrise würden alle (grossen und kleinen) Egoschweine wieder genau gleich rücksichtslos wüten wie vorher. Das habe man schon nach der Finanzkrise beobachten können: Lernwille null, Lernfähigkeit null, Lerneffekt null. Dazu die üblichen Sprüche von der Sorte: «Umweltschutz? – ein Luxusfimmel, Sozialethik? – alles bloss Kommunismus, Kultur? – völlig nutzlos.» Vielleicht haben sie (leider) sogar Recht. Trotzdem weigern wir uns auch jetzt wieder standhaft, von vornherein auf Pessimismus zu schalten. Ein Leben ohne Hoffnungen ist nicht lustig. Selbst wenn diese Hoffnungen regelmässig zerschlagen werden: So ein trübselig-trauriges Leben tun wir uns und unserer Umgebu

Einwurf 292: Die Coronalektion Nr. 3

Es heisst, die Frauen gehörten zu den Hauptleidtragenden der Coronakrise. Wie halt bei allen Krisen. Als Working Poor neben Homeoffice und Homeschooling noch zu den Hunden und Katzen schauen, die Eltern aufmöbeln und den Ehemann aushalten: Das ist tödlich. Besonders der Ehemann, heisst es, sei eine riesige Belastung: Faul, mürrisch, gelegentlich aggressiv und im schlimmsten Fall sogar gewalttätig. Wahrscheinlich auch wieder wegen Gendefekten, die man mit moderner Medizin nun eigentlich wegkorrigieren müsste. Andererseits gibt es, damit zusammenhängend, viele Männer, deren Ehefrauen immer und überall alles besser wissen, und zwar nicht zu 99,9, sondern zu 100,0 Prozent. In den engen Räumen de

Einwurf 291: Die Coronalektion Nr. 2

Leider muss die Polizei nun das erzwingen, was sich Vernunftmenschen schon lange erträumen: Massenzusammenrottungen verunmöglichen. Der humane Fortschritt liegt im solidarischen Individualismus. Ohne ferngesteuert gleichgeschaltete NSDAP-, KPdSU-, Facebook- und Twitter-Massen hat der Totalitarismus keine Chance. Selbst wenn Bayern München ein Tor macht, höre ich Auschwitz. (Nicht wegen dem Jubel der Zuschauer, sondern wegen dem Geschrei aus dem Stadionlautsprecher.) Wer den Urbanismus und die Dezentralisierung gegeneinander ausspielt, muss noch lernen, dass Freiheit immer weniger mit der Verfügung über Landmassen korreliert. Das ginge heute schon rein demografisch nicht mehr.

Einwurf 290: Der Weg in den Palästina-Holocaust

Dass der Trump-Deal mit Israel nichts wert ist, wusste man ja schon, bevor es ihn überhaupt gab. Nun haben die Palästinenser sämtliche Abkommen mit den USA und Israel gekündigt. Ob sie sich das auch leisten können, ist zwar nicht so sicher. Entscheidend ist aber die Erkenntnis, dass ein «dauerhafter Friede» absolut unmöglich ist, wenn sich eine der Hauptparteien von Beginn weg überdeutlich davon distanziert. Das forsche Vorgehen von Netanyahu und Co. erinnert an das Münchner Abkommen von 1938. Wenn die USA und Israel ihre Annexionsstrategie im bisherigen Stil und Takt weiterführen, werden wir es früher oder später auch in Palästina mit Konzentrationslagern und Massenerschiessungen zu tun hab

Einwurf 289: Ohne Amerikaner

Die USA verlassen eine internationale Organisation nach der andern und wollen sich auch immer weniger an multilateralen Abkommen beteiligen. Auf den ersten Blick ist das zwar ärgerlich (unsolidarisch), auf den zweiten jedoch gerade recht so. Die Institutionen und ihre Programme haben dann zwar weniger Geld, dafür werden sie ohne diese einfältigen Trumpmarionetten viel besser, und das ist schliesslich die Hauptsache. Das Twitterproletariat muss jetzt ohnehin erst mal die Sauereien aufräumen, die es im eigenen Land veranstaltet hat. Sofern es das überhaupt kann.

Einwurf 288: Zeit-Ort-Verschachtelungen

Kürzlich haben wir uns «coronabedingt» mal wieder «Barry Lyndon» reingezogen, ein «Gesamtkunstwerk» von Stanley Kubrick, zu dem man im Gegensatz zu vielen mittlerweile «peinlichen» Filmen von Fellini oder von der «Nouvelle Vague» auch heute noch voll stehen kann. Schon bei der Première in London hatte uns die geballte Wucht von Geschichte, Literatur, Kunst und Musik in Trance versetzt. Dabei wird die tragische Biografie des irischen Junkers schnörkellos unkompliziert erzählt, also ohne diese psychotischen zeitlichen und örtlichen Verschachtelungen, welche in den Romanen unserer KI-Epoche immer häufiger zur Pflicht zu gehören scheinen. Für einfache Gemüter wie die unsrigen ist das nichts, ode

Einwurf 287: Schweiz-EU: Der Bettlerpfuhl

Der Bilateralismus der Schweiz mit der EU hält sich hartnäckig als «Königsweg», dabei war er schon von Beginn weg nichts anderes als ein «Bettlerpfuhl». Nur hat sich nie einer getraut, das offen zu sagen. Seit einem halben Jahrhundert verwehrt uns die Nichtmitgliedschaft in der EU und ihrer Vorläuferinnen fundamentale Mitbestimmungsrechte in absolut lebenswichtigen Geschäften. Dazu kommen erhebliche Wohlstandsverluste wegen all den Bürokratie- und Transaktionskosten, die der unvollständigen, bruchstückartigen und unübersichtlichen Teilnahme am gemeinsamen europäischen Markt geschuldet sind. Auch der nie enden wollende Zusammenarbeits-Verhandlungsmarathon ist nicht unbedingt eine «Renditeperl

Einwurf 286: Menschenrechtsaktivisten C-19

Den einen gehen die Coronaregime-Lockerungen «zu weit», den anderen «zu wenig weit». Sie tönen damit genau gleich wie die notorisch korrupten, Programmchaos und Reformstau veranstaltenden parlamentarischen Parteiaffen, und sie werden von denen denn auch lebhaft sekundiert. Zusammen mit vielen anderen demonstrieren sie mittlerweile jede Woche gegen die «Diktatur der Exekutive». Lustig ist dabei, dass jene Parlamentarier, die das meiste Öl ins Feuer giessen, ohne zu zögern sofort in diese Exekutive einziehen würden. Weniger lustig ist das Demonstranten-Gemenge, denn aus der Gelbwestenanarchie haben wir gelernt, dass in derart heterogenen Suppen eher früher als später die «schwarzen Blöcke» der

Einwurf 285: Gemässigt

Wissen Sie, wer «gemässigt» ist? Wir wissen es auch nicht, aber wir machen einen Vorschlag: «Gemässigt» ist einer, der etwas will, aber darauf verzichtet, wenn man ihm dafür etwas anderes gibt. Nicht klar? Dann halt so: Gemässigt ist einer, der etwas nicht will, es aber trotzdem akzeptiert, wenn man ihm sonst nichts gibt. Noch weniger klar? Also gut: Ein «Gemässigter» ist immer ein Lieber, vor dem man sich nie fürchten muss. Ein «Radikaler» hingegen ist das hundertprozentige Gegenteil davon. Manövriermasse gegen Kreativgenie.

Einwurf 284: Die Lockdown-Entschleunigung

Für die Wutbürger und die Langweiler sind die aktuellen Coronaregime-Lockerungen eine erste Mini-Erlösung von dem ganz grossen Bösen. Auf uns wirken sie mit ihren vielen Auflagen aber nicht besonders sexy. Also bleiben wir weiterhin unserer «Quarantäne» treu. Man muss deren Qualitäten möglichst voll und lange auskosten. Das Leben herunterzufahren tut enorm gut. Endlich kann man seine zahllosen und in hohem Takt aufgestauten Eindrücke aus aller Welt dezent zu Ende verdauen, ohne Terminhektik gemütlich Büro-, Haus- und Gartenpendenzen abtragen, mit den Gedanken ins Reine kommen, physische Ressourcen schonen. Auch die für die nächste Zukunft geplanten Reisen bleiben auf Eis gelegt. In der Prima

Einwurf 283: Noch ein Trickle-up?

Der «New Deal» und der «Marshallplan» enthielten keine Steuersenkungsrazzien. Damals, nach der Grossen Depression und dem Zweiten Weltkrieg, haben sie ganz genau gewusst, dass das nichts nützt. Statt in nachhaltige Investitionen wandert das gesparte Steuergeld bloss in läppischen Konsum oder auf «Schlafkonten» (mit «Negativzinsen» zu Gunsten der Banken). Heute, nach Corona, scheint man das vergessen zu haben; in vielen Köpfen grassiert immer noch der Glaube an die «Trickle-down-Theorie». Aber die ist nichts als eine Giftmischung aus Elfenbeinturmpalaver, bigottem Kitsch und ideologischer Irreführung. Ausser als «Trickle-up» hat sie noch nie funktioniert. Seriöse Wissenschafter (darunter auch

Einwurf 282: Coronawutbürger

Das Coronavirus hat uns eine Neuausgabe von Wutbürgern beschert. Die führen jetzt Kampagnen gegen die «Coronadiktatur» und gehen damit auch auf die Strassen. Sie ziehen Verantwortungsträger in den Dreck, welche sich ehrlich und erfolgreich um eine seriöse Krisenbewältigung bemühen. Im gleichen Zug entpuppen sie sich als Berufsmimosen und machen aus Mücken Elefanten. Denn niemand wird von der Polizei aus dem Bett gezerrt und in ein KZ verfrachtet, auch die Meinungsäusserungsfreiheit war bis heute in keinem Moment in Frage gestellt. Sie müssen bloss ein paar Meter auseinandergehen, wenn sie demonstrieren. Immerhin dürfen sie das. Ich dagegen habe weder Fussball noch Tonhalle noch Openair-Kino

Einwurf 280: Die falsche Verheissung

Wenn von Harari, von Piketty oder von mir aus auch von Zizek ein neues Buch herauskommt, ist die kollektive Aufregung immer gross. Darob geraten aber andere Publikationen schnell in Vergessenheit, die durchaus das Zeug zum visionären Klassiker haben. «Die falsche Verheissung» von John Gray aus dem Jahr 1998 ist zum Beispiel so eine. «Der Washington Nonsens» wäre wahrscheinlich der noch bessere Titel gewesen. Gray beschreibt, wie die globale Marktdiktatur das öffentliche, private und individuelle Leben fundamental (und «destruktiv») zerstört. (Ab einem gewissen Punkt ist das für ihn sogar «irreversibel», aber so weit würden wir dann doch nicht gehen.) Hemmungslos durchmarschierende freie Märk

Einwurf 279: Gestorben wären sie so oder so

Wenn einer sagt, die senilen Coronatoten wären so oder so nächstens gestorben, wie bei einer «normalen» Grippe, dann missachtet er ein Tabu. Allein deswegen ist er aber noch kein Unmensch. Entscheidend ist, wie man mit solchen Befunden und Aussagen dann umgeht. Für uns ist klar: Selbst wenn diese zu hundert Prozent zutreffen, lohnen sich die Opfer allemal, die man für die «Komposti» auf sich nimmt. Wirtschaftlich zwar nicht, zumindest nicht in der kurzfristigen Froschperspektive der amerikanischen Marktdiktatoren (siehe nächster Einwurf), sozialethisch aber auf jeden Fall. Halten wir immerhin fest, dass die Pharmabranche mit ihren Fantasielöhnen natürlich weniger abzocken könnte, wenn man de

Einwurf 278: Fedismus: Die Coronasure

Jetzt hat ein (fedistischer) holländischer Hobbystatistiker quasi algorithmisch ausgerechnet, dass Roger Federer wirklich der beste Tennisspieler aller Zeiten ist. So etwas freut den selbsternannten Federerpapst Stauffer vom «Tages-Anzeiger» natürlich noch viel mehr als wenn er selber von eben diesem «Experten» zum besten Journalisten aller Zeiten ausgezeichnet worden wäre. Der «Analyse» dieses «Experten» widmete er deshalb einen ellenlangen Sonderbericht. (Wenn im Mittleren Osten 1000 Zivilpersonen wegbombardiert werden, ist das jeweils eine Randnotiz wert, oder man erfährt es gar nie. Aber auf den Sportseiten hat es jetzt ja Platz zum Versauen und auf den anderen begeilen sich die Journali

Einwurf 277: Die Höllenqualen des Velofahrers

Wenn Sie ein Velofahrer sind, müssen Sie unbedingt wissen, dass ein Autofahrer diversen unwiderstehlichen psychischen Zwängen ausgeliefert ist. Einer davon ist zum Beispiel der, dass man Velofahrer immer überholen muss, weil man sonst in die Hölle kommt. Dabei spielt es keine Rolle, wie schnell der Velofahrer unterwegs ist, welche Tempolimiten vorgeschrieben sind und wie viel Platz für das Überholmanöver überhaupt vorhanden ist. Der psychische Zwang ist so gross, dass es der Autofahrer im Notfall sogar in Kauf nehmen muss, den Velofahrer laut hupend gegen eine Betonwand zu quetschen, wo der dann elendiglich verstirbt. Selbstverständlich kommt der Velofahrer nachher in die Hölle, weil er den

Einwurf 276: Putzphilosophie

«Die Rückkehr der Diener» von Christoph Bartmann berichtet über «Das neue Bürgertum und sein Personal». Eigentlich ist das Buch ein thematisch sortiertes Familientagebuch aus New York. Doch ungefähr auf jeder zehnten Seite wird klar, dass der Autor unter einem Putztrauma leidet. Für ihn sind Reinigungsarbeiten anscheinend das Niedrigste, was man sich unter Arbeit vorstellen kann. Mit dieser Haltung ist er nicht allein, New York hin oder her. Auch andernorts gelten «Schissiputzer», Strassenwischer oder Kehrichtmänner immer noch als Leute, denen ein lausiges Schicksal in die Gene geschrieben wurde. Kein Wunder, wollen auch Hausfrauen, die nicht «arbeiten», also «nur» Hausfrauen sind, wenn imme

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