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Einwurf 98: Assoziative Kommunikation


Wir haben viele an sich sehr gute Bekannte, die man aber nicht zusammen einladen kann, weil sie ununterbrochen und ausschliesslich von sich selber reden. Das können eben nicht alle gleichzeitig. Dabei wäre diese unilaterale verbale Diarrhö gar nicht nötig, denn meistens wird eine Viertelstunde lang referiert, wofür auch fünf Sätze ausreichen würden, mit Ausschweifungen bis zum Gehtnichtmehr und mit ermüdenden Wiederholungen, als wären die Zuhörer taub. Gut, am Schluss sind sie es tatsächlich, und spätestens nach zwei Stunden ist der Mist geführt. Dann ist es einfach nur noch langweilig. Aber die Dauerredner finden trotzdem überall ihr Publikum. Viele sind froh, dass sie sich selber nicht exponieren müssen, zum Beispiel die, welche von der Panik verfolgt werden, mit jedem Komma ein Jahrhundertgeschäftsgeheimnis zu verraten. Andere sind dankbar, dass sie sich nicht als unheilbar dumm entblössen, wenn sie auch etwas Einfaches erst im vierten Anlauf verstehen, und wieder andere finden den rhetorischen Imperialismus wie jeden Imperialismus ganz einfach geil, je geistloser desto geiler.

Ich bin da halt nochmals anders. Asymmetrische Gespräche gehen mir grundsätzlich auf die Nerven. Sie sind ganz einfach nicht partnerschaftlich. Ideal dagegen sind Dialoge mit egalitärer Beteiligung, kurzen Sequenzen und – das Wichtigste – vielen fantasievollen «Assoziationen». Das sind gelungene «interdisziplinäre» Überraschungen: Eine Fussballszene im Managerjargon kommentieren, ein Schauspiel wie eine Menukarte präsentieren usw., natürlich spontan, nicht «einstudiert». Auch die so genannte Situationskomik, die sämtlichen blöden Witzen der Weltgeschichte haushoch überlegen ist, weil sie zwangsläufig keine Clichés bedient, gehört hier dazu.

Symmetrisch und pointiert ist die «assoziative Kommunikation» spannend und entspannend zugleich: Spannend, weil sie fantasievoll und geistreich ist, entspannend, weil sie verschiedene Welten miteinander verbindet. Wenn dabei noch viel gelacht wird, hat man die perfekte Abendgesellschaft, die bis am frühen Morgen bleiben muss.

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