Einwurf 264: Hans Meier selig


Hans Meier war lange, bis weit in die Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, ein richtig bodenständiger Eidgenosse. Als es jeweils darum ging, die politischen Behörden zu bestellen, wählte er deshalb konsequent immer «bürgerlich». Die BGB mochte er, weil sie für mittelständische Qualität, Solidität und Zuverlässigkeit stand, an der FDP schätzte er die Weltoffenheit, die kulturelle Kompetenz und die unternehmerische Verantwortung und an den christlichen Parteien (CVP und EVP) die Ethik einer solidarischen Gesellschaft. In einer derartigen Konstellation brauchte es weder rote noch grüne Querschläger, denn die «Bürgerlichen» hatten die Läden im Griff, und die Opposition war allenfalls noch interessant für originelle Ideen und gewerkschaftliche «Einbindungen». (Worauf die sich immer sehr gerne einliessen, weil das doch da und dort noch etwas «Batzi» gab.)

Aber dann kamen die Amerikaner und mit ihnen die Neonazis. In der Eidgenossenschaft war vor allem Christoph Blocher für diesen Trend zuständig. Aus der BGB wurde die SVP, und vor dieser SVP hatten fortan alle anderen massiv Schiss, sogar die Roten und die Grünen. Aus der FDP wurde eine untertänige SVP-Filiale, juristisch zwar nicht, geistig aber schon, und das ist schliesslich matchentscheidend. Aus der CVP wurde ein monacozirkustauglicher Wischiwaschiverein, aus der EVP eine Fundisekte, die SP begeilte sich urplötzlich an sozialfaschistischen Positionen, Heimatkitsch und anderem patriotischem Schwachsinn, und selbst die bestechungsresistenten Grünen spannten wählerstimmenversprechende Bögen von der unverbrauchten Natur im Wilden Westen von Donald Trump zum tiefen, tiefen «teutschen» Wald der NSDAP.

Mit dem berühmten gesunden Menschenverstand versorgte, kritisch-optimistische Individuen wie Hans Meier hatten nun aber über Nacht keine einzige politische Heimat mehr. Ausser sich selber. Seinen Nachkommen sagte Meier dann halt einfach, die innere Stimme sei immer die beste, und wer sich stur weigere, darauf zu hören, dem könne auch der liebe Gott nicht mehr helfen.

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