Einwurf 443: Dialog im Stau

Aktualisiert: Sept 2


Bürgerlicher Wähler I: Die Wartezeit betrage mindestens zwei Stunden, sagen sie.

Bürgerlicher Wähler II: Ich habe von drei Stunden gehört.

Bürgerlicher Wähler I: Einfach nur Scheisse.

Bürgerlicher Wähler II: Nein, das ist doch geil. Warum sind Sie denn hier?

Bürgerlicher Wähler I: Sicher nicht wegen der Warterei.

Bürgerlicher Wähler II: Ich schon, man weiss ja, worauf man sich einlässt.

Bürgerlicher Wähler I: Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank.

Bürgerlicher Wähler II: Das könnte ich Ihnen ja auch vorwerfen.

Bürgerlicher Wähler I: Die urban-zentralistischen Kommunisten in Bern, die nicht AUF DAS AUTO ANGEWIESEN sind, sollen endlich aufhören, den öffentlichen Verkehr zu verabsolutieren und stattdessen neue Autobahnen bauen.

Bürgerlicher Wähler II: Nein, man soll beides nicht machen. Das alles ist viel zu teuer, und es gibt nichts Geileres als im Stau zu stehen.

Bürgerlicher Wähler I: Dann finden Sie auch die ewige Parkplatzsucherei geil.

Bürgerlicher Wähler II: Auf jeden Fall. Mindestens eine Stunde sollte das jeweils schon dauern.

Bürgerlicher Wähler I: Jetzt sagen Sie mir einmal, welcher bekloppte Psychiater Ihnen solchen Schwachsinn aufgedreht hat.

Bürgerlicher Wähler II: Ich selber natürlich, aber von Schwachsinn kann keine Rede sein. Denn seit ich nur noch realistisch und positiv denke, ist mein Leben paradiesisch.

Bürgerlicher Wähler I: Gefangen in einer Blechlawine?

Bürgerlicher Wähler II: Ja, und mit vielen netten Gesprächspartnern.

Bürgerlicher Wähler I: Sie finden mich nett?

Bürgerlicher Wähler II: Nicht unbedingt, aber ich unterhalte mich trotzdem gerne mit Ihnen, eben realistisch und positiv.

Bürgerlicher Wähler I: Sie meinen wohl, ich sei ein nörgelnder Idealist.

Bürgerlicher Wähler II: Irgendwie schon, so wie die urban-zentralistischen Kommunisten in Bern, die nicht AUF DAS AUTO ANGEWIESEN sind.

Bürgerlicher Wähler I: Was halten Sie eigentlich von den Töfflibuben, welche uns die Lust auf die Alpenpässe verderben?

Bürgerlicher Wähler II: Sie haben es geahnt: Das sind die megageilsten Typen, die es gibt.

Bürgerlicher Wähler I: Klar sehen Sie das so, aber die Frauen der Töfflibuben vielleicht nicht.

Bürgerlicher Wähler II: Doch doch, entweder sind sie mit von der Partie, oder sie sind froh, dass der Typ weg ist, oder sie haben kein schlechtes Gewissen mehr, wenn sie jede Woche neue Schuhe kaufen. Oder die Töfflibuben haben erst gar keine Frauen. Das heisst, der Töff ist die Frau und er macht in hoher Erregung erst noch den geileren Lärm.

Bürgerlicher Wähler I: Ab sofort sind Sie mein Psychiater. Welchen Stundentarif vereinbaren wir?

Bürgerlicher Wähler II: Minus 500 Franken. Ich glaube fest an das Gute, genauso wie die Nationalbank.

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