Einwurf 467: Technik oder Ethik?


Die Frage ist, wie man unseren der Ausplünderung ausgelieferten Planeten noch retten kann. Viele schwören auf die Technik, aber das ist Unsinn. Dieses Rezept hätte längst funktionieren müssen und es wären weder Weltkriege noch andere Massenvernichtungen (wie Hungersnöte) vorgekommen. Es lässt sich sogar beweisen, dass die grossen Katastrophen (dazu zählt auch der Klimakollaps) eine direkte Folge des technischen «Fortschritts» sind. So hat zum Beispiel Dave Eggers in «The Circle», einem ausnahmsweise einmal eindeutig epochalen Schlüsselroman, akribisch dargestellt, wie ein erzkapitalistisches IT-Ungeheuer eine knüppelharte kommunistische Diktatur aufrichtet. Nun hat er nachgedoppelt: In «Every» wird das menschliche Gehirn nicht mehr über hässliche Smartphones und bescheuerte Social Media, sondern direkt durch Konzernalgorithmen verarscht. Man muss sich bloss noch ein «Sensorenstirnband» überstülpen, und los gehen die Ströme! Dagegen sind Jules Verne, Huxley, Orwell, die Space Odyssey, die DDR und Xi Jinping Stoff für niedliche Gartenzwerge.


Technik an sich ist bekanntlich wertneutral – der Gebrauch ist entscheidend, und jetzt kommen Religion und Philosophie bzw. die Ethik ins Spiel. Klar gibt es auch schlechte Ethik wie eben die typisch amerikanische Variante im Dienst des Technikwahns (siehe Jobs, Gates, Bezos, Zuckerberg, Musk usw.). Aber nur mit guter Ethik ist die Welt zu retten: Ethik der Lebensqualität, Ethik der Sinnstiftung, Ethik der Selbstbestimmung, Ethik des Vertrauens, Ethik der Integrität, Ethik der Solidarität, Ethik der Inklusion, Ethik der Gerechtigkeit, Ethik der Gleichbehandlung, Ethik der Rücksichtnahme, Ethik der Friedfertigkeit, Ethik der Transparenz, Ethik der Verantwortlichkeit, Ethik der Zuverlässigkeit, Ethik der Sorgfalt, Ethik der Charakterfestigkeit, Ethik des Humanismus, Ethik der Naturverbundenheit, Ethik der Spiritualität, Ethik der Besonnenheit, Ethik der Unaufgeregtheit, Ethik der Heiterkeit, Ethik des Immaterialismus, Ethik der Bescheidenheit, Ethik der Stille, Ethik des Verzichts…. Wer auf solche Ethiken setzt, macht automatisch auch «technisch» alles richtig; es geht schon rein logisch gar nicht anders. Er wohnt nicht mehr in der Pampa, kauft kein (Elektro-)Auto mehr, fährt nur noch Velo und Bahn und hat kein Gramm Übergewicht. Den überhitzten Blockchainfirmen zieht er den Stecker, als wären sie fossil verdreckt oder nuklear verseucht. Auch eine bis auf die Zähne bewaffnete Streitkraft braucht er nicht; ziviler Ungehorsam reicht völlig aus und macht erst noch nichts kaputt. Für den Schwachsinn des ebenso uferlosen wie überflüssigen Kitsch- und Luxuskonsums ist er von vornherein nicht mehr ansprechbar. Bullshitjob-Burnout? Kein Interesse. Und so weiter.


Kurz und gut: Die schöne neue Welt ist entweder ethisch oder gar nicht. Technisch ist sie zwar auch, aber nur, wenn die Technik der Ethik folgt und nicht umgekehrt. Ein gutes Beispiel ist die Kombination von Photovoltaik und Luft-Wärmepumpen, ein schlechtes die Vernichtung der Luft, der Böden und der Gewässer durch Feinstaub, Pestizide, Plastik und anderen Sondermüll. Es gilt: Je mehr Physik und je weniger Chemie, desto besser.

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