Einwurf 550: Keine Zeitenwende

Aktualisiert: 21. März


Was wir jetzt mit dem Ukrainekrieg sicher nicht haben, ist eine «Zeitenwende», auch wenn pausenlos davon geschwatzt wird. Das ist reines Wunschdenken. Denn Russland, Belarus und auch die Ukraine haben seit Jahrhunderten eine andere Geschichte als Europa, und diese «DNA» lässt sich (Gott sei Dank) nicht einfach so «ausradieren». Das «Andere» heisst: Keine Renaissance, kein Humanismus, keine Reformation, keine Aufklärung, kein Mittelstand, keine Menschenrechte, keine Demokratie, kein Liberalismus, keine Grünen, keine Feministinnen usw. Wie in Afrika und im Mittleren Osten. Nach Peter dem Grossen und dann wieder dank dem Ende der Sowjetunion hätten sie zwar sehr gute Voraussetzungen für einen nachhaltigen Kurswechsel gehabt, aber sie haben die Chance nicht wahrgenommen. Klar gab es immer jene, die solche Wechsel wollten, aber es fehlte ihnen bis heute sowohl an der kritischen Masse als auch am Durchhaltewillen. Und klar gibt es da auch regionale oder nationale Nuancen. Ein wichtiger Unterschied zwischen Russland und der Ukraine besteht zum Beispiel darin, dass die Medien in Russland wie in China stark zentral gesteuert sind, während in der Ukraine jeder mächtige Oligarch seinen eigenen Fernsehsender hat. Zu denen gehört auch der Oligarch Kolomojskyj, der den «heldenhaften» Präsidenten Selenskyj sponsert. Das Muster hat der schmierige Berlusconi geliefert; es hat auch den seit einiger Zeit nur noch vor sich hin geifernden Blocher inspiriert. Hier haben solche Typen aber zum Glück keine Chance, ihr totalitäres Potenzial grossflächig umzusetzen, eben weil unsere Geschichte eine andere ist.


Solche Dinge liest, sieht und hört man in den Konzern- und Staatsmedien natürlich nicht. Die machen jetzt voll auf Putin-Bashing, was weder besonders anspruchsvoll noch besonders originell ist. Hauptsache, man richtet sich immer schön nach dem Wind, und der hat auch schon ganz anders geblasen. Besonders lange ist das gar nicht her.


Zurzeit sorgt gerade die «Willkommenskultur» für starken Wind: Statt dass man seinen Flüchtlingsrassismus offen und ehrlich zugibt, werden ganze Dissertationen über die Frage geschrieben, warum man aus tiefenpsychologischen Gründen geradezu «gezwungen» ist, einen Syrer anders zu behandeln als eine Ukrainerin. Selbstverständlich kann man immer sehr gut beweisen, dass eine weisse Frau ein besserer Mensch ist als ein schwarzer Mann. Ausser man will es nicht. Der Sonderstatus für die Ukrainer geht in Ordnung. Nun müsste man ihn umständehalber aber auch allen anderen Asylsuchenden gewähren, sofern sie nicht zur kleinen Minderheit gehören, welche kriminell unterwegs ist.


«Widerstand oder Flucht»: Das Thema gehört zu jedem Konflikt, vom Weltkrieg bis hinab zum Krach mit einem Arschloch-Chef. Eigentlich haben beide Strategien etwas für sich. Fürs Abhauen spricht, dass man sich sagt, man sei doch ganz einfach viel zu gut, um sich rund um die Uhr mit machtsüchtigen Idioten herumschlagen zu müssen. Wenn hingegen gute Aussichten dafür bestehen, diese Idioten kurzfristig zum Teufel zu jagen, ist (passiver und/oder aktiver) Widerstand besser. Denn der verhindert Migrationsströme, welche oft genug einfach wieder neue Probleme verursachen (siehe oben).

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