Einwurf 496: Der Menschenrechtsdialog

Aktualisiert: 11. Dez. 2021


Macron in Saudi-Arabien, Merkel bei den Russen, Schneider-Ammann, Parmelin und Cassis mit den Chinesen, und alle anderen wo auch immer: Sie führen einen «diskreten» Menschenrechtsdialog, und zwar «ohne Tabu». Das bringe mehr als «kontraproduktive» aggressive Kampagnen und Demonstrationen, sagen sie.


Nur: Wo sind die Erfolgsausweise? Die müssten doch längst vorhanden sein. Die Copypaste-Sprüche der Minister hören wir ja schon seit Jahrzehnten. Von Erfolgen ist da aber keine Spur. Die Schweine auf der anderen Seite lachen sich vielmehr in die Fäustchen. Im besten Fall verbreiten sie jeweils noch, sie hätten halt andere ethische Präferenzen als der «Westen» (wer immer das auch sei) und man lasse sich in «inneren Angelegenheiten» ebenso wenig dreinreden wie die «westlichen» Staaten auch. Tönt doch plausibel. Eine Grenze ist eine Grenze, eine Mauer ist ein Stacheldrahtzaun, der Pass ist wichtiger als die Solidarität, Punkt Schluss.


Aber wir sind ja nicht blöd. Glaubwürdig wird der Menschenrechtsdialog erst dann, wenn in den offiziellen Besuchsdelegationen die Menschenrechts- und Umweltorganisationen genau gleich stark vertreten sind wie die kommerziellen Firmen und deren Lobbyisten. Oder man kreuzt nach jeder Wirtschaftsdelegation mit einer reinen Menschenrechtsdelegation auf. Alles andere ist bloss dummes Geschwätz zur Einseifung unkritischer Füdlibürger, Schwachsinnschrampfer und Konsumjunkies.

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