WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

Neue Geschichten aus dem echten Leben: Die Fortsetzung der WPK-Tetralogie in der Gestalt von Wochenblogs (bis 2017) und Einzeleinwürfen (ab 2018). Hier werden heilige Kühe geschlachtet und durch unterwerfungsresistente Paradiesvögel ersetzt: Für Leute, denen sperriges Zeug Freude macht und die mithelfen wollen, von Gesinnungsdiktatoren und ihren „nützlichen Idioten“ kultivierte Tabus in heisse (oder kalte) Luft aufzulösen. Wir übertreiben nie, sondern denken bloss dort zu Ende, wo andere längst kalte Füsse gekriegt haben.

Einwurf 176: Völkerkunde am Weihnachtsmarkt

Hans: «Als Rentner hast du kaum mehr Zeit, gemeinsam Glühwein zu trinken, so viel Zeug musst du noch nachholen, das früher wegen der beruflichen Belastung nicht drinlag». Fritz: «Ja, zumal früher der Glühwein wegen dem Networking auch noch zum Beruf gehörte, und wenn du wie ich jetzt jedes Jahr vier Monate lang auf Auslandreisen bist, wird es mit dem gemeinnützigen Engagement, den künstlerischen Aktivitäten, dem grossen Garten, dem Fitnesscenter, der Wandergruppe, dem Jassclub, dem Schachclub, den Sprachkursen, den Kochkursen, den Ehemaligenvereinen, den Rotariern, der Stiftung Wirtschaft und Umwelt, den Freunden der FDP, den Freunden der NZZ, dem Hund und den Enkeln besonders anstrengend, u

Einwurf 175: Die Messlatte

Ernst hat einen Freund, der hat sich mit seiner Frau verkracht. Sie hat ständig blöd gemotzt, weshalb er ihr schliesslich davongelaufen ist und eine neue Frau gefunden hat. Mit der ging es dann aber auch nicht, und so ist er nun halt schon wieder «auf der Suche». Weil Ernst manchmal auch Krach hat mit seiner Frau, hat ihm das zu denken gegeben. Denn schon mehr als einmal wäre er ihr auch am liebsten davongelaufen. Doch das bringt ja nichts, wenn man nachher wie sein Freund bloss im Seich landet, mit dem ganzen Kollateralkarsumpel wohlverstanden: Kinder, Sozialleben, Häuser, Finanzen, Anwälte, Psychiater usw. Eine Auswechslung lohnt sich logischerweise nur, wenn die neue Partnerin mindestens

Einwurf 174: Das Vermächtnis der Achsenzeit

Die «Achsenzeit» (Karl Jaspers) ist eine historische Epoche, welche die menschliche Entwicklung mindestens so stark geprägt hat wie das Neolithikum und die industrielle Revolution. Sie erstreckt sich auf die Jahre 800 bis 200 vor Christus; ich würde sie aber auf das ganze erste Jahrtausend vor Christus ausweiten und so auch Jesus selber noch mit einbeziehen. «Unsere asiatische Zukunft» heisst ein neuer Buchbestseller. Darin wird kolportiert, die asiatischen Werte würden das 21. Jahrhundert ebenso markant prägen wie die amerikanischen das 20. und die europäischen das 19. Auf Anhieb tönt das zwar nicht schlecht, aber den chinesischen Überwachungstotalitarismus und die indische Grausamkeitskult

Einwurf 173: Fremde Minister und Gassi-Hündeler

Bundesratsgequassel ohne Ende: Es ist kaum mehr auszuhalten. Daher äussern wir selber uns nur heute nochmals dazu und dann ist garantiert Schluss. Das Gequassel ist völlig unverhältnismässig. Denn längst ist klar: Was gegenwärtig und in absehbarer Zukunft in der Schweiz geschieht, wird eh von «fremden» Ministern und Direktoren in der OECD und vor allem in der EU entschieden, sei es über Bankgeheimnis, Währung, Schengen oder Personenfreizügigkeit. Hinzu kommt der «Zwang zur Europarechtskompatibilität» in Hunderten von anderen, weniger bekannten Geschäften. Die SVP hat schon Recht, doch ist das, was sie kritisiert, völlig in Ordnung. Nur Idioten sperren sich freiwillig ein. Einziges Problem da

Einwurf 172: Drittes Geschlecht?

Der «LGBTI-Komplex» stiftet Verwirrung, zumal da ständig noch neue Abkürzungen hinzukommen, «A» («Asexuell») zum Beispiel oder «Q» («Queer»). Zeit also, für ein bisschen Ordnung zu sorgen. Sicher ist, dass die Menschheit nur Bestand hat, wenn Männer und Frauen Kinder zeugen, egal ob «natürlich» oder «künstlich». Niemand ist von einem so genannten «dritten Geschlecht» gezeugt worden und kann somit auch nicht einem «dritten Geschlecht» angehören. Und wie soll sich dieses «dritte Geschlecht» eigentlich vermehren können? Homo- und bisexuelle Menschen haben kein «drittes Geschlecht», sondern sind entweder Männer oder Frauen, denen heterosexuelle Beziehungen keine Erfüllung bringen oder gänzlich m

Einwurf 171: Die endlosen Sauereien im Mittleren Osten

Anscheinend gehört es zum Leben im Mittleren Osten, dass man ununterbrochen Sauereien veranstaltet. Spätestens seit 9/11 vergeht kein Tag, an dem wir nicht eine oder mehrere Meldungen über Mord und Totschlag über uns ergehen lassen müssen. Der absolute Tiefpunkt war bis jetzt wohl der von mächtigen Saudi-Arabern mitfinanzierte Islamische Staat, aber man kann sich schwer vorstellen, dass sich solche «Experimente» nicht wiederholen werden. Die Sauereien im Irak, in Syrien, in Libyen und in Afghanistan werden nie mehr aufhören, ebenso wird Israel ewig das Leid der Holocaust-Opfer missbrauchen und sich weiterhin alles erlauben, was ein einigermassen zurechnungsfähiger Gott verboten hat. Man muss

Einwurf 170: Der Aussenminister (Fortsetzung)

Was wir in den Einwürfen 57, 92 und 139 insinuiert hatten, ist jetzt Mainstream: Ignazio Cassis soll raus aus dem Aussenministerium und wenn möglich gleich auch aus der Landesregierung. Sicher ist, dass selbst Ueli Maurer kein schlechterer Aussenminister wäre. Und als ob er seine Unfähigkeit gleich selber noch bekräftigen müsste, hat Cassis darauf gesagt, er gehe sehr gerne zur Arbeit und man habe eben etwas gegen die Tessiner. Während der Rassismusvorwurf so ziemlich die faulste Ausrede ist, die man überhaupt mobilisieren kann («Lernen von Netanyahu»), ist das «gerne arbeiten» schlicht und einfach dumm («Lernen von Federer»). Wo bitte ist da ein qualitativ überzeugendes Argument? Eigentlich

Einwurf 169: Die Sexualität muss weg

Wenn wir die Sexualität entsorgen würden, hätten wir sicher weniger Probleme auf der Welt. Denn wer den wahren Konfliktursachen auf den Grund geht, merkt bald, dass bis jetzt gar nie um Rohstoffe, Arbeitssklaven, schräge Götter oder schwachsinnige Ideologien, sondern letztlich immer von Männern um Frauen gestritten worden ist. Seit der Ilias wissen wir das eigentlich schon längst; Goethe und Freud hätten das ebenfalls unterschrieben. Auch religiöse Machthaber haben das gecheckt, nur haben sie darauf falsch reagiert. Mit dem Feminismus kommt nun noch der Kampf zwischen den Geschlechtern hinzu: Männer gegen Frauen. Früher mussten sich die Frauen widerwillig hinlegen, heute hingegen ist schon e

Einwurf 168: Geisteswissenschaften

In den Feuilletons erscheinen seit Jahrzehnten immer wieder Beiträge zur «Legitimationskrise» der Geisteswissenschaften. Das ist nicht weiter verwunderlich, wo diese Geisteswissenschaften doch überhaupt nichts nützen und eh bloss von dummen Frauen und faulen Männern studiert werden. Doch was sind denn eigentlich Geisteswissenschaften? Im Umfeld des legendären Wiener Kreises haben sie ja schon mal behauptet, Wissenschaft sei ausschliesslich Naturwissenschaft und Mathematik, allenfalls noch Medizin und Psychiatrie oder Geografie, und damit basta. (Heute kämen da wohl noch die Informatik und die Ökologie hinzu.) Ganz falsch ist diese Position nicht, nur geraten bei ihr gleich auch noch die Juri

Einwurf 167: Fossilienrat

Evo Morales ist wie Robert Mugabe einer von denen, welche sich als Hoffnungsträger Respekt verschaffen und lebenswichtige Reformen durchsetzen. Aber dann treten sie nicht mehr ab, werden arrogant und korrupt und ramponieren so aus eigener Kraft ihren guten Ruf, ohne dass der «böse Feind» auch nur einen kleinen Finger rühren muss. (Daneben gibt es bekanntlich noch jene, welche zwar gehen müssen, sich dann aber wie Tony Blair, Barack Obama oder Joschka Fischer vom «bösen Feind» übertölpeln oder gar einkaufen lassen.) In der Schweiz sorgt das «System» dafür, dass es nicht so weit kommen kann. Es finden so zwar keine Reformen statt, aber die haben wir bekanntlich gar nicht nötig. Dafür können si

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