Einwurf 191: Wirtschaftsfreundlich


Wissen Sie, was «wirtschaftsfreundlich» ist? Gut, Sie können es sich einfach machen und sich an den Multimilliardären orientieren. Die müssten es ja am besten wissen. Nun ist die Wirtschaft aber für alle da und nicht nur für die. Was deren Wirtschaft nützt, nützt der Wirtschaft von hungernden Migranten wahrscheinlich nicht gerade viel. Oder etwa doch? Sie sehen: Schon haben wir den Salat.

Das Problem liegt darin, dass «wirtschaftsfreundlich» viel zu schnell mit «marktmächtig» gleichgesetzt wird. Deshalb gelten jene, welche gegen eine asoziale und unökologische Marktmacht antreten, als «wirtschaftsfeindlich», obwohl sie eigentlich für Solidarität und Wohlbefinden einstehen. Mit Wirtschaft hat das a priori gar nichts zu tun. Klar kann sich eine griffige Sozial- und Umweltpolitik negativ auf die Wirtschaft der Multimilliardäre auswirken, d.h. sie muss das sogar. Ob dann die Wirtschaft des Rests der Welt floriert, hängt jedoch davon ab, wie die potenziellen und realen Ressourcen umverteilt und umgenutzt werden. Ohne fairen Wettbewerb liegt da jedenfalls wenig bis gar nichts drin. Eine totalitäre Diktatur ist sicher nicht wirtschaftsfreundlicher als die Herrschaft von Multimilliardären.

Für einen fairen Wettbewerb braucht es jedoch eine solide Verantwortungsethik. «Wirtschaftsfreundlich» sind daher weder Unternehmensverbände noch bürgerliche Parteien, sondern alle Einzelpersonen, deren Leistungen den Erfordernissen einer kooperativen, zivilisierten Gesellschaft gerecht werden. Die Frage ist jetzt natürlich, wo man so etwas lernt. In den klassischen BWL-Handbüchern jedenfalls nicht, denn dort geht es primär darum, die Konkurrenz aufzufressen. Deren Wirtschaft ist dann halt wirklich kaputt.

Die Kultur muss es auch hier richten; es geht nicht anders.

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