Einwurf 209: Europäische Werte


Die Frage, was «europäische Werte» sind, wird quasi ununterbrochen gestellt, auch deshalb, weil die Antwort darauf doch etwas schwieriger ist als man spontan meint. Viele murmeln zwar meistens etwas von «christlich» herbei, auch wenn sie mit einer Kirche überhaupt nichts zu tun haben wollen. Die Mehrheit der Christen wohnt aber nicht in Europa, zumal auch Russen, Weissrussen und Ukrainer keine Europäer sind (sondern Eurasiaten). Und wie «europäisch» sind der evangelikale Fundamentalismus und die Kriminalität im Vatikan? Eben. Auch die griechische Antike wird gern mobilisiert, aber da galten sowohl die Nichtgriechen («Barbaren») als auch die Frauen wenig bis gar nichts, und ihre grössten Denker (Platon und Aristoteles) lehnten beide die Demokratie ab. (Aristoteles hat sogar einem der grössten Imperialisten aller Zeiten zugedient, Alexander dem Grossen.) Hartnäckig behauptet sich ausserdem der Begriff «Abendland», obwohl der fürchterlich nach Walhalla und Götterdämmerung tönt. Mindestens so schräg ist aber die Gleichsetzung von «Europäisch» mit «Westlich», denn der so genannte Westen wird von Trumps Amerika dominiert und erstreckt sich bis nach Japan, Brasilien oder Israel, also in ziemlich bis äusserst «nichteuropäische» Länder. Der «Washington Konsens» hat ausgedient, nur haben das viele einfach noch nicht gemerkt oder irgendwie verdrängt.

Sagen wir es daher einmal so: Wer asozial und unökologisch, rassistisch und sexistisch, bildungs- und kunstfeindlich, intolerant und ausgrenzend ist, ist nicht «europäisch» und wandert am besten zu seinen Geistesgenossen aus: In die USA, nach Russland, nach Südamerika, nach Afrika, in den Mittleren Osten, nach Indien, nach Australien .… Die Auswahl für Appenzeller, Zentralschweizer, Emmentaler und Ihresgleichen ist gigantisch. Im Gegenzug werden in den entnazifizierten Regionen humanistisch gesinnte Immigranten aus aller Welt angesiedelt. Das Motto ist: «SVP raus! Kriegsopfer rein!»

Nur: Auch Hitler und Co. waren Europäer. Ihre Herrenrassenideologie-Werte holten sie sich zwar nicht bei Luther, Bach, Leibniz, Kant, Hegel, Goethe, Schiller und Beethoven, sondern beim französischen und insbesondere beim angelsächsischen Kolonialimperialismus. Aber eben alles auch europäisch. (Die Deutschen waren die Chinesen des 19. Jahrhunderts, haben den anderen jenseits von Gut und Böse praktisch alles abgekupfert, und das dann natürlich «teutonisch-gründlich» auf die Spitze getrieben.) Der Faschismus war und ist die schändlichste europäische Erfindung. Zum Glück sind sich verantwortungsvolle Führungskräfte wie Mutti Merkel und Mec Macron dessen bewusst und wischen kompromisslos alles weg, was darnach stinkt (Le Pen, Gelbwesten, AfD, Ost-CDU). Diesen Kurs muss man eisern durchziehen, «stärkste Partei» hin oder her, um eine Wiederholung von «Weimar» zu verhindern. Eigentlich sollten auch wir in der Schweiz jetzt, wie letzthin in Italien und Österreich geschehen, die Rechtsextremen (also die SVP) aus der Landesregierung und den ihr nachgelagerten Exekutiven hinauswerfen. Zudem müsste Boris Johnson steinhart abgeschottet werden, und den osteuropäischen Neonazis stellt man am besten einfach sämtliche Geldhähne ab (Kohäsionsfonds u. dgl.). Das ist viel weniger riskant als man meint. Die würden genauso «implodieren» wie damals die UdSSR.

Linksaussen und Rechtsaussen ist nicht dasselbe. Hier liegt eine ideologische Irreführung vor, um den solidarischen marxistischen Kommunismus schlecht zu machen. Dieser entwuchs wie die französische Revolution der humanistischen Tradition und wurde primär von aussereuropäischen Diktatoren missbraucht. (So wie die grossen Aufklärer John Locke und Adam Smith von den Amerikanern missbraucht wurden.) Als Stalin und Mao voll draufloswüteten, waren sie längst tiefbraun «sozialfaschistisch» geworden - dieser Begriff entstammt ja sogar ihren eigenen Kreisen. Wer die «Linke» mit der AfD gleichstuft, entlarvt sich selber als Nazi. Der Slogan «Auf einem Auge blind» ist Schwachsinn und vergleicht Äpfel mit Birnen. Auch Terroristen sind immer rechtsextrem, egal was sie verzapfen. Dasselbe gilt für das totalitäre kasinokapitalistische Regime von Xi Jinping.

Darum heisst «Europäisch» heute vor allem auch das: «Nie wieder»!, «Nazis raus»! «Freiheit»!

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