Einwurf 282: Coronawutbürger


Das Coronavirus hat uns eine Neuausgabe von Wutbürgern beschert. Die führen jetzt Kampagnen gegen die «Coronadiktatur» und gehen damit auch auf die Strassen. Sie ziehen Verantwortungsträger in den Dreck, welche sich ehrlich und erfolgreich um eine seriöse Krisenbewältigung bemühen. Im gleichen Zug entpuppen sie sich als Berufsmimosen und machen aus Mücken Elefanten. Denn niemand wird von der Polizei aus dem Bett gezerrt und in ein KZ verfrachtet, auch die Meinungsäusserungsfreiheit war bis heute in keinem Moment in Frage gestellt. Sie müssen bloss ein paar Meter auseinandergehen, wenn sie demonstrieren. Immerhin dürfen sie das. Ich dagegen habe weder Fussball noch Tonhalle noch Openair-Kino und müsste von daher eigentlich viel blöder tun als sie, tue es aber sicher nicht. (Einen wichtigen Grund dafür lesen Sie im Einwurf 281.)

Wenn die Coronawutbürger die widerlichen Sitten und Gebräuche des pharmazeutisch-industriellen Komplexes denunzieren, haben sie allerdings Recht. Hier greift das von Kasinokapitalisten und Geheimdiensten orchestrierte Affentheater mit den Verschwörungstheoriekeulen definitiv nicht. Dass internationale Organisationen von diesem und ähnlichen Komplexen massiv unterwandert werden, weiss jedes Kind, vor allem vom EU-Lobbyismus. Auch Bill Gates mischt da mit, denn seine Stiftung ist gar nicht karitativ. Zudem ist seine «Philanthropie» nicht nur viel zu technokratisch, sondern - nicht zuletzt gerade deswegen – in hohem Masse kultur-, sozial- und umweltschädlich. Man muss da eben verdammt gut hinschauen und soll sich nicht einfach so über den Tisch ziehen lassen, auch von Zuckerberg und Bezos nicht.

Gut, vielleicht haben die frisch gebackenen Coronawutbürger letztlich doch Recht, wenn sie von übertriebenen oder fehlgesteuerten Einschränkungen reden. (Hätte man nicht sofort «diktatorisch» einen Monat lang das Tessin allerseits abriegeln und auch andernorts die Grenzgänger systematisch zurückschicken sollen? So wäre dem Rest des Landes der ganz böse Absturz möglicherweise erspart geblieben.) Aber solange sie nicht beweisen können, dass die indischen, brasilianischen, russischen, US-amerikanischen, britischen und schwedischen Krisenbewältigungsmodelle besser funktionieren als die ostasiatischen, zentral- und südeuropäischen, bleibt man lieber ein bisschen still. Da sind wir für einmal ganz bei Wittgenstein. Wenn man den Wutbürgern dann aber wirklich Unrecht geben muss, empfehlen wir ihnen bloss noch die letzten Worte von Hamlet.

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