WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

Neue Geschichten aus dem echten Leben: Die Fortsetzung der WPK-Tetralogie in der Gestalt von Wochenblogs (bis 2017) und Einzeleinwürfen (ab 2018). Hier werden heilige Kühe geschlachtet und durch unterwerfungsresistente Paradiesvögel ersetzt: Für Leute, denen sperriges Zeug Freude macht und die mithelfen wollen, von Gesinnungsdiktatoren und ihren „nützlichen Idioten“ kultivierte Tabus in heisse (oder kalte) Luft aufzulösen. Wir übertreiben nie, sondern denken bloss dort zu Ende, wo andere längst kalte Füsse gekriegt haben.

Einwurf 192: Die Mehrheitsbeschafferin

Sommaruga will mehr Geld für die Bahn. Das macht Sinn. Aber ohne das Parlament geht das leider nicht, und jetzt sind wir gespannt. Die CVP blufft ja immer, sie sei eine Siegerpartei, weil sie allen «tragfähigen Lösungen» zustimmende Mehrheiten verschaffe. Ohne sie kämen «tragfähige Lösungen» erst gar nicht zustande. Was die CVP freilich nie sagt, dass die meisten «tragfähigen Lösungen» nicht zuletzt wegen ihrer angeborenen Reformaversion jeweils schon im Keim erstickt werden. Für die «tragfähigen Lösungen» ist man ja immer bloss, wenn es selbst mit dem schlechtesten Willen nicht mehr anders geht. Mal schauen, was sie nun mit dem Sommaruga-Vorstoss anrichtet. Wir tippen auf die klassisch prof

Einwurf 191: Wirtschaftsfreundlich

Wissen Sie, was «wirtschaftsfreundlich» ist? Gut, Sie können es sich einfach machen und sich an den Multimilliardären orientieren. Die müssten es ja am besten wissen. Nun ist die Wirtschaft aber für alle da und nicht nur für die. Was deren Wirtschaft nützt, nützt der Wirtschaft von hungernden Migranten wahrscheinlich nicht gerade viel. Oder etwa doch? Sie sehen: Schon haben wir den Salat. Das Problem liegt darin, dass «wirtschaftsfreundlich» viel zu schnell mit «marktmächtig» gleichgesetzt wird. Deshalb gelten jene, welche gegen eine asoziale und unökologische Marktmacht antreten, als «wirtschaftsfeindlich», obwohl sie eigentlich für Solidarität und Wohlbefinden einstehen. Mit Wirtschaft hat

Einwurf 190: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis

Unseren Titel kennen Sie («Faust II», ganz am Schluss). Kürzlich hatten wir ein Wiedersehen mit Peter Shaffers «Amadeus». Ja, das ist Salieri gegen Mozart, wie er auch verfilmt wurde. Mit der «historischen Wahrheit» ist der Dichter zwar ziemlich frei umgegangen, aber das hat schliesslich auch Schiller so gemacht. Im Kern geht es indessen um die Mode und um das, was letztlich davon übrigbleibt. Gemäss «Amadeus» wusste Salieri darüber sehr gut Bescheid. Andere sind in dieser Hinsicht weniger begabt, geschweige denn prophetisch gewesen. Sie küren irgendeine grölende Singer-Songwriterin, den Cristiano Ronaldo oder den Roger Federer zum grössten Supergenie aller Zeiten und glauben, eine dahergela

Einwurf 189: Die WC-Initiative

Hunderte von Volksinitiativen schwirren uns um die Ohren und es werden immer mehr. Man hat die Übersicht schon längst verloren, vor allem wegen den chronischen Verschleppungen und Zerfleischungsaktionen in diesem auch nach den Wahlen 2019 äusserst destruktiv gebliebenen Bundesparlament. Fuck Unterschriftensammler, aber eines ist sicher: Auf die dringlichste Initiative warten wir immer noch, nämlich auf jene für das Recht auf öffentliche Toiletten.* Was China und Japan systematisch fertigbringen (wir haben das persönlich sehr schätzen gelernt), muss auch bei uns möglich sein, sonst sind wir wirklich dekadent. Erst kürzlich haben wir einen Ernährungssicherheits-Artikel in die Bundesverfassung

Einwurf 188: Genozid und Genozid

Das amerikanische Parlament hat das Massaker der Türken an den Armeniern endlich auch als Genozid anerkannt, ein rein für sich genommen absolut richtiger Entscheid. Herr Erdogan hat dann natürlich zurückgeschossen und gemeint, die Amerikaner hätten ihrerseits einen Genozid auf dem Gewissen, denjenigen gegen die Indianer. Damit hat auch er vollkommen Recht; er hätte sogar problemlos noch weitere Genozide ins Feld führen können. Donald Trump, konsequent wie er ist, hat sich sofort vom Entscheid des Parlaments distanziert. Es ist klar, dass es für ihn gar keine Genozide gibt, denn er will sich ja die Freiheit erhalten, selber solche zu veranstalten, ohne dass es dabei ein Theater gibt. Wahrsche

Einwurf 187: 2020 wird lustig

Wer offene Ohren hat, dem fällt auf, dass das apokalyptische Lamento derzeit Hochkonjunktur hat. Eine «letzte Chance» jagt die andere und vielen wird ganz sturm dabei. In der Tat: Auch die Umweltkonferenz von Madrid war wieder nichts als zum Fenster hinausgeschmissenes Geld. (So etwas wollen wir jetzt definitiv nie mehr.) Die Börsenkurse sind hoffnungslos aufgebläht. In den Regierungen und vor allem in den Parlamenten machen sich lauter infantile Faschisten und andere kleinkarierte Deppen breit, die keine Ahnung davon haben, was in der grossen Welt wirklich abgeht usw. Die «unheilige Allianz» von Kasinokapitalismus in der Wirtschaft und Rechtsextremismus in der Politik verursacht Kopfweh. Ab

Einwurf 186: Die Schwarzen Radaubrüder

Unlängst sind die bekannten SVP-Politiker Köppel und Mörgeli in einem Restaurant mit Milchshake abgewaschen worden. Das ist natürlich eine Sauerei, die man niemandem gönnt. Grosse Entrüstung allerseits, man verurteilt wie üblich «aufs Schärfste». Auch wir haben kein Verständnis für solche Sachen, sehr wohl aber Erklärungen. (Das ist nicht dasselbe; das schrieben wir schon nach dem 11.09.2001 und wiederholt im Zusammenhang mit den von den Neofaschisten erfundenen und geschürten «Ängsten in der Bevölkerung».) Die Kernfragen sind: «Wer geht gegen wen vor?», «Wer hat provoziert und wer hat reagiert?» und vor allem «Wo liegen die Gründe dafür?» Nach unserem Wissensstand lassen die Radaubrüder des

Einwurf 185: Der beste Chef

Hat ein Chef zehn Leute in seinem Team, sind ihm sicher fünf davon fachlich überlegen, vielleicht nicht durchs Band, aber doch in mehreren betrieblich wichtigen Angelegenheiten. Wie soll er sich nun verhalten? Wenn er eine Führungspumpe ist, dann hat er grundsätzlich zwei Optionen: Nachgeben und Platz machen oder Mobben und Hinausekeln. Option 1 ist aber masochistisch und funktioniert normalerweise nur, wenn er von seinem eigenen Vorgesetzten desavouiert wird. Option 2 hingegen ist zwar infantil und «alte Schule», leider aber nach wie vor sehr populär. Das Motto ist «Teile und herrsche», d.h. man hetzt die Cracks aufeinander los, indem man ihnen zum Beispiel identische Aufträge erteilt, ohne

Einwurf 184: Transparenz

Transparenz ist, wenn man nicht nur seine grossartigen Erfolge in die Welt hinaustwittert, sondern auch seine weniger grossartigen Defizite öffentlich darlegt. Das UVEK zum Beispiel macht das gut (Klimapolitik), das EDA kann es nicht (EU-Rahmenvertrag). Sogar die Amerikaner haben sich dazu durchgerungen, wenigstens bezüglich Afghanistan, etwas spät zwar und nur dank kritischen Medien und unbestechlichen Gerichten, aber immerhin. (Joschka Fischer wird keine Freude haben.)

Einwurf 183: Passé Suisse

Die Denkfabrik «Avenir Suisse» hat eine Kantonsrangliste herausgegeben, welche ihren hauseigenen «Freiheitsindex» widerspiegelt. Wenn man diese Rangliste anschaut, stellt sich allerdings rasch einmal die Frage, ob man sie überhaupt ernst nehmen kann. Oder Fragen wie: Was verstehen die eigentlich unter Freiheit? Was bezwecken sie mit ihrem Index? Werden da Äpfel mit Birnen verglichen? usw. Der Reihe nach: Gemacht hat das Rennen der Kanton Schwyz, zuunterst im Reich des Bösen schmort zum wiederholten Mal der Kanton Genf. Aber die sind dort anscheinend so blöd, dass ihnen das gefällt, denn sonst wären sie ja längst ausgewandert. Überhaupt fällt auf, dass die Kantone mit den grossen Zentren, aus

Einwurf 182: Der Familienmann

Reporterin: Herr Keller, Sie sind ein extrem vielbeschäftigter CEO, Sie führen über 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Sie haben eine 80-Stunden-Woche, Sie jagen von Termin zu Termin, und das sehr häufig auch im Ausland. Wie erholt man sich von diesem Dauerstress? Keller: Mit der Familie. Sie ist mir das Wichtigste im Leben. Daher schalte ich am Wochenende weitgehend ab und nutze jede freie Minute, um sie mit meinen Kindern zu verbringen. Das sind immer wunderbare Momente. Reporterin: Die Familie als Wochenendtankstelle. Macht Ihre Frau das auch so? Keller: Ich habe mit meiner Frau vereinbart, dass sie ihre beruflichen Ambitionen etwas zurückstellt, solange die Kinder klein sind. Zudem h

Einwurf 181: Der Befreiungsschlag

Am 29.11.2019 hat es ein Journalist des «Tages-Anzeigers» gewagt, das Wort «obszön» mit Roger Federer in Verbindung zu bringen. Das geschah vor dem Hintergrund einer Serie von «Showspielen» in Lateinamerika und war für mich so etwas wie ein längst fälliger Befreiungsschlag aus einem totalitären Würgegriff. Der Text macht nämlich (durchwegs seriös) auf die Abgründe aufmerksam, welche sich hinter Federers «Teflonauftritten» auftun. Ergänzend dazu noch das: Kürzlich habe ich in Tokio ein wenig im peppig aufgemachten Flagship-Store von Uniqlo «herumgewühlt». Die Qualität der Klamotten dort ist sehr gut, die Preise sind aber so niedrig, dass man sich kaum vorstellen kann, keine (Festland-)Sklaven

Einwurf 180: Der "Brexit" als Neandertaler-Krankheit

Neuerdings gilt in Grossbritannien der «Brexit» als Krankheit, aber das ist ja nicht weiter erstaunlich, wenn man Politiker wie Boris Johnson oder Donald Trump vor sich hat (der den «Brexit» ebenfalls «lässig» findet). Auch in der Schweiz grassiert die Krankheit, im Umfeld von Christoph Blocher und Albert Rösti zum Beispiel, oder in der Zentralschweiz. Sie äussert sich unter anderem darin, dass man sich von seiner natürlichen Umgebung abschottet und sich der (legalen und illegalen) Kriminalität unterwirft. So sind in der weiteren Heimat von Wilhelm Tell zahlreiche saudi-arabische, katarische, ägyptische und russische Kolonien, Hedge Funds- und Rohstoffhandelsgeschwüre entstanden: Fremde Herr

Einwurf 179: Das Ende der Sozialdemokraten

Die Sozialdemokraten sind im freien Fall. Daran werden auch die neuen Führungskräfte in Deutschland nichts ändern können. Am ehesten schafft wohl «Frauenpower» noch den Turnaround, aber «Frauenpower» haben wir nun auch bei den Grünen. Dabei haben die Sozialdemokraten seit Jahrzehnten ein attraktives «Grundprogramm», die soziale und ökologische Marktwirtschaft. Dagegen kann ausserhalb des faschistischen Lagers eigentlich niemand etwas haben. Ihr Problem liegt offensichtlich in der praktischen Umsetzung. Am «Niedergang» des Industrieproletariats und der Gewerkschaften liegt es nicht; die Sozialdemokratie ist schon längst «mittelständisch». Sie ist vielmehr das Opfer ihres eigenen Erfolgs: Fast

Einwurf 178: Pampa-Olympiaden

Beat Feuz findet Winterolympiaden in Asien nicht so toll (Interview im «Tages-Anzeiger» vom 29.11.). Wir auch nicht. Wir finden sogar, dass man die Skiweltmeisterschaften ersatzlos abschaffen und stattdessen den Weltcupsiegern der einzelnen Disziplinen die Weltmeistertitel verleihen sollte. In der Formel I ist das seit Urzeiten selbstverständlich, und so gäbe es auch im Skisport diese schrägen Wind-und-Wetter-Zufallsweltmeister nicht mehr, die ihre Titel nachher jahrelang bestätigen wollen und dabei elendiglich scheitern. Für den Olympiasieg hinwiederum könnte man im Olympiajahr das aus anspruchsvollen «Klassikern» erzielte Punktetotal nehmen. Bei der Herrenabfahrt zum Beispiel wären das Kit

Einwurf 177: Zensur im Ständerat

Als die Ständeräte noch lauter altgeborene Neandertaler waren, haben sie sich die Regel verpasst, wonach ein Neugewählter während seiner ganzen ersten Session das Maul halten muss. Diese Regel missachtet aber nicht nur den «Wählerwillen», sondern ist ein sackgrober Verstoss gegen die Meinungsäusserungsfreiheit überhaupt und müsste sofort abgeschafft oder zumindest angefochten werden. Wenn schon Zensur, dann macht man das über eine strenge Amtszeitbeschränkung. Die trifft aber nicht diejenigen, welche für frischen Wind sorgen, sondern eben die Neandertaler selber und ist sogar ein fürsorglicher Akt. Denn dadurch wird für sanfte Landungen in jenen ausweglosen Sackgassen gesorgt, in die sie sic

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