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Einwurf 87: Wertegemeinschaften

03.12.2018

Wenn Konzernmanager in Europa Multimillionenhonorare einstreichen, werden sie als Abzocker beschimpft, die Kunden, Aktionäre und Mitarbeitende gleichermassen ausplündern. Tun sie das in den USA, werden sie dafür gelobt, denn solche Honorare gelten als Zeichen einer blendend funktionierenden Firma. Wer hat jetzt Recht? Wahrscheinlich beide, und das sagt auch Herr Weber von der UBS immer wieder gern, wenn seine Bank wegen ihren «Vergütungen» unter Beschuss gerät. Aber darum geht es uns hier nicht.

 

Das Beispiel zeigt, dass man in Europa eben völlig anders denkt als in den USA. Hier herrscht ein Gerechtigkeits- und Fairnessempfinden, welches drüben völlig inexistent ist. Wer dort arm bleibt, ist halt selber schuld, und wo kämen wir hin, wenn die Herrenrasse ständig ein schlechtes Gewissen haben müsste? Das geht per Definition ja gar nicht, und schliesslich ist der Herrenrassenkult ja auch angelsächsisch und nicht deutsch, wie man nach Hitler eigentlich glauben würde. Der hat vielmehr versucht, die Amerikaner in Europa zu kopieren, und ist damit prompt auf die Nase gefallen. Das Original ist bekanntlich immer besser (bzw. stärker - siehe zu diesem Thema auch das neue kluge Buch von James Whitman über «Hitlers amerikanisches Vorbild»).           

 

Allein schon die Antwort auf die Frage der gesellschaftlichen Solidarität legt nahe, eine «transatlantische Wertegemeinschaft» ins Reich der Fabeln zu befördern. Noch nicht entschieden ist aber, wie die Chinesen auf die Dauer damit umgehen werden. In ihrem konfuzianischen Rucksack tragen sie zwar einen ausgeprägten Gemeinschaftssinn mit sich herum, aber auch bei ihnen sind Hitlerfiguren nicht ausgeschlossen. Ihren Jahrhundertmassenmörder hatten sie jedenfalls schon. Wie «herrenrassig» sie wirklich sind, können sie jetzt als «Neokolonialisten» unter Beweis stellen. Immerhin haben sie sich in ihren neuen Besitztümern bis jetzt doch einigermassen anständig aufgeführt und selber Hand angelegt, wo es die Engländer meistens beim Afternoon Tea und die Amerikaner beim Geheimdienstterrorismus bewenden liessen. Wie auch immer: Die Europäer tun gut daran, sich keine totalitären Vorbilder mehr zu nehmen, weder aus anderen Kontinenten noch aus der eigenen Geschichte. Damit fährt man ganz einfach viel zu schlecht und (fast) jeder weiss das auch.           

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