Einwurf 201: Jakobs Hundetraum II

Weil Jakob ein unverbesserlicher Bürogummi war, hat er sich jeweils im Sommer bei einer Bergbauernfamilie gemeldet und ihr auf den Wiesen und Feldern, in den Ställen und manchmal auch im Haushalt ausgeholfen. Dabei lagen die Schwerpunkte seiner Einsätze stets etwas anders. Im Laufe der Jahre sind die armen Bauern aber alle ausgestorben und die überlebenden haben massiv mechanisiert und automatisiert. Die Bäuerinnen haben auch nicht mehr den Käse geputzt, sondern in einem Coiffeursalon gearbeitet oder als Bürogummi auf der Post.

So hat Jakob kürzlich geträumt, dass er in seiner nächstens bevorstehenden Bergbauernwoche nur noch für den Familienhund zuständig war, und dafür erhielt er detaillierte Instruktionen. „Gassi gehen“ wurde ihm untersagt. Stattdessen musste er den Hund in einen weiten, durchsichtigen Plastikmantel stecken, in einen grossen Meissener Porzellanteller stellen, der auf einem schmucken Sofatischchen lag und dann einfach warten, bis das Zeug herauskam. Darnach musste er den After des Hundes mit einer öligen Masse einschmieren, welche nach einem französischen Luxusparfum roch.

Als Jakob aus diesem Traum erwachte, beschloss er auf der Stelle, sich nie mehr für einen Berglandwirtschaftseinsatz einzuschreiben. Ein paar Tage später erfuhr er von der Besitzerin des Hundes, der ihn seinerzeit beim Velofahren gebissen hatte, dass dieser Hund von einem anderen Velofahrer getreten und traumatisiert worden war. Und dieser Velofahrer wiederum hatte auch ein Hundetrauma, weil er zuvor von einem anderen Hund gebissen worden war usw. So ist das halt mit diesen (Erb-)Traumen: Sind sie einmal da, bringt man sie nicht mehr weg. Man kann höchstens noch dafür sorgen, dass derartige Endlosschlaufen nicht vollends aus dem Ruder geraten.

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