Einwurf 288: Zeit-Ort-Verschachtelungen


Kürzlich haben wir uns «coronabedingt» mal wieder «Barry Lyndon» reingezogen, ein «Gesamtkunstwerk» von Stanley Kubrick, zu dem man im Gegensatz zu vielen mittlerweile «peinlichen» Filmen von Fellini oder von der «Nouvelle Vague» auch heute noch voll stehen kann. Schon bei der Première in London hatte uns die geballte Wucht von Geschichte, Literatur, Kunst und Musik in Trance versetzt. Dabei wird die tragische Biografie des irischen Junkers schnörkellos unkompliziert erzählt, also ohne diese psychotischen zeitlichen und örtlichen Verschachtelungen, welche in den Romanen unserer KI-Epoche immer häufiger zur Pflicht zu gehören scheinen. Für einfache Gemüter wie die unsrigen ist das nichts, oder eben bloss eine ärgerliche Mode, die auch in zahlreichen Filmdrehbüchern nun sklavisch nachgeäfft wird. Als würden wir nicht schon durch ein Chaos von unterschiedlichen, irgendwie miteinander verknüpften «Handlungssträngen» überfordert. In der Odyssee oder bei Wagner hätten wir die abrupten Zeit-Ort-Reisen auch, sagen Sie, aber dort arbeitet einer ab und zu seine Vergangenheit auf und das ist es dann.

Früher war nicht alles besser, das eine oder andere aber schon.

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