WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

Neue Geschichten aus dem echten Leben: Die Fortsetzung der WPK-Tetralogie in der Gestalt von Wochenblogs (bis 2017) und Einzeleinwürfen (ab 2018). Hier werden heilige Kühe geschlachtet und durch unterwerfungsresistente Paradiesvögel ersetzt: Für Leute, denen sperriges Zeug Freude macht und die mithelfen wollen, von Gesinnungsdiktatoren und ihren „nützlichen Idioten“ kultivierte Tabus in heisse (oder kalte) Luft aufzulösen. Wir übertreiben nie, sondern denken bloss dort zu Ende, wo andere längst kalte Füsse gekriegt haben.

Einwurf 86: Wirtschaftsförderung

Wenn man Unternehmer und Politiker fragt, wie die Wirtschaft «gefördert» werden soll, dann palavern sie von Globalisierung, freien Märkten, Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Innovation, Digitalisierung, Spitzentechnologien, attraktiven Arbeitsplätzen, niedrigen Steuern und unbürokratischen Prozessen. Die übliche Phrasendrescherei. Gesellschaftliche und ökologische Verantwortung kommen da praktisch nie vor, und das macht doch misstrauisch. Denn hinter dem Palaver steckt das McKinsey-Rezept, das die ganze Welt verseucht und das von PWC, KPMG, EY und Co. munter auf die Spitze getrieben wird: Möglichst niedrige Löhne, möglichst keine Steuern, möglichst keine Gesetze, dafür jede Menge Nazi-Produk

Einwurf 85: Unausgewogene Berichterstattung

Von den grossen Medien, vor allem von den staatlichen, wird erwartet, dass sie «ausgewogen» berichten. Das ist grundsätzlich richtig. Andererseits dürfen sie Donald Trump, die chinesischen und russischen Alleinherrscher, arabische Menschenmetzger, israelische Kommandokiller, korrupte Caudillos und braune Parteiführer aber nicht gleich behandeln wie eine lokale Sektion der Heilsarmee. Nach den bitteren Erfahrungen mit der Hitlerei und mit anderen Totalitarismen haben sie sogar die Pflicht, steinhart gegen die rechtsextremen Idioten und deren Wegbereiter anzuschreiben. Wer das nicht macht und sich bei denen gar noch anbiedert, ist ein Feigling und wird zum Komplizen. Klar muss man es gut und ü

Einwurf 84: MeToo und jetzt?

Nach der Frage, ob die «68er» die Welt verändert hätten, beschäftigt uns neuerdings das Thema, ob die MeToo-Bewegung einen in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung vergleichbaren «Paradigmawechsel» auslösen werde oder bereits ausgelöst habe. Das kommt jetzt natürlich vor allem auf die Frauen an. Nicht nur nach Vergewaltigungen und anderen, nicht ganz so drastischen körperlichen und verbalen Belästigungen, sondern auch im Zusammenhang mit «unglücklichen Beziehungen» liest man ja mit mechanischer Regelmässigkeit, die Frauen seien entweder plötzlich oder aber schleichend unfähig geworden, eine kritische Situation mit gesundem Menschenverstand zu bewältigen. Unzurechnungsfähig also. Sie waren medik

Einwurf 83: Selbstdarstellungen

Sie kennen das: Man berichtet über sein Leben und macht das in erster Linie über den Beruf und die damit zusammenhängende Ausbildung. Diese Selbstverständlichkeit kommt vor allem jenen entgegen, welche anspruchsvolle Studiengänge absolvieren und populären Beschäftigungen nachgehen, wenn möglich noch in leitenden Positionen und mit hohen Einkommen. Ziemlich blöd hingegen ist sie für alle anderen, auf die das nicht zutrifft. Sie sind vielleicht Kioskverkäuferin, Hausmann, Working Poor, arbeitslos oder behindert und stehen so unter ständigem Rechtfertigungsdruck. Von der Familie und von Ferien zu erzählen, kann zwar entlastend sein, aber wenn auch hier in den Augen des Mainstreams entweder über

Einwurf 82: Anfang und Ende

Die Bibel beginnt mit dem Satz, dass «am Anfang» Gott den Himmel und die Erde schuf. Der eigentliche Anfang war also ein ausserhalb von Himmel und Erde wirkender Gott. Der Evangelist Johannes präzisiert: «Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen». Ähnliche Konzepte sind im Hinduismus (Rigveda) und im Taoismus (Laotse) nachzulesen. Goethes Faust findet das diskussionswürdig, zumindest solange er sich noch von seinem Pudel und nicht schon vom Teufel inspirieren lässt. Er zw

Einwurf 81: Sumpfliteratur aus Georgien

Die Frankfurter Buchmesse zelebriert dieses Jahr Georgien. Das ist auf den ersten Blick ein dankbarer Gast, denn Georgien wird spätestens seit dem Untergang der UdSSR als kleines Paradies auf Erden hochgejubelt. Da fliessen nicht nur Milch und Honig, sondern vor allem auch der älteste und damit selbstverständlich beste Wein der Welt, und die Leute sind alle wahnsinnig nett, also wirklich. Ein goldenes Verbindungsstück zwischen Orient und Okzident, und oh Schreck, gerade deswegen immer wieder und auch heute noch von den bösen Russen gepeinigt. Aber spätestens hier schrillen die Alarmglocken, und schon ein paar kurze Recherchen offenbaren glasklar, dass die Politik in diesem «Paradies» kein Dr

Einwurf 80: Wahlen ohne Parteien

«Gegen Wahlen» heisst ein Buch von David van Reybrouck. Darin schlägt er vor, die Besetzung politischer Ämter nach dem Zufallsprinzip auszulosen, weil das viel repräsentativere und dadurch auch erfolgreichere handwerkliche Outputs erzeuge als das handelsübliche, viel heisse Luft und wenig Substanz produzierende Parteientheater. Realpolitisch ist der Vorschlag ziemlich schräg, die Parteien würden so etwas in der Praxis nie zulassen und den Medien ginge das Hundefutter aus, aber aus unbelasteter Sicht hat er einiges für sich. Wer das gegenwärtige Wahlverhalten weltweit beobachtet, merkt schnell, dass die Leute von den herkömmlichen, immer penetranter in Patriotismus und Nationalismus abdriften

Einwurf 79: Erdogan und der PWS-Imperialismus

Der türkische Präsident Erdogan ist nicht unbedingt das, was wir uns unter einem vorbildlichen Staatschef vorstellen. Manchmal muss man sogar an seinem Geisteszustand zweifeln. Aber nicht alles macht er falsch. So hat er sich soeben klar dagegen ausgesprochen, sich und seine Regierung von McKinsey beraten zu lassen. Das macht in mehrfacher Hinsicht Sinn. Die «Expertisen» von McKinsey sind nämlich eh immer die gleichen und bis auf Kommastellen voraussehbar; ihre Originalität steht im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Preis. Doch das allein ginge ja noch; was Erdogan natürlich vor allem nervt, ist die Rolle von McKinsey als Stosstrupp der angelsächsischen Weltherrschaft. In dieser Hinsicht liegt

Einwurf 78: Wirtschaftsfreundlich

Wissen Sie, wer oder was «wirtschaftsfreundlich» ist? Die Frage stellt sich deshalb, weil die Antwort, die man normalerweise darauf erhält, komplett falsch ist. «Wirtschaftsfreundlich» wird nämlich meistens mit «marktfreundlich» und «bürgerlich» oder «politisch rechts» gleichgesetzt. Als wären alle anderen automatisch «wirtschafts- und marktfeindlich», «nichtbürgerlich» oder «politisch links». Über den Unterschied zwischen «Bourgeois» und «Citoyen» äussern wir uns hier jetzt nicht mehr; das macht jeder Volkssoziologe an jedem Kirchgemeindevortrag. «Wirtschaftsfeindlich» dagegen kann ja eigentlich gar niemand sein, der nicht gerade Selbstmordgedanken mit sich herumträgt. Auch «politikfeindlic

Einwurf 77: Rückweisungsverbrecher

Ja, es ist sinnlos, Tausende von analphabetischen Migranten in Europa integrieren zu wollen. Die würden wirklich besser zu Hause oder in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft bleiben und dort mithelfen, korrupten «Eliten», erzpatriarchalischen «Geistlichen» und dementen «Stammesopas» den Garaus zu machen und ihre Wirtschafts- und Regierungssysteme mit guten Ideen, einer kooperativen Einstellung und ihren Fähigkeiten entsprechenden Eigenleistungen auf eine neue, gesunde Basis zu stellen. Das ist die einzige nachhaltige Lösung des Migrationsproblems. Einfach ist sie nicht, das ist klar, denn es geht da ja auch noch um die Umtriebe internationaler Investoren (Landraub, Rohstoffminen etc.), terroris

Einwurf 76: Sommerlektüren

Wer früher Alvin Toffler oder Fritjof Capra las, liest jetzt Yuval Noah Harari. Das ist einer, der uns wie Jean Ziegler, Jeremy Rifkin, Joseph Stiglitz oder Paul Krugman jedes Jahr mit einem supergescheiten Buch bombardiert, und zwar nicht mit einem dünnen. Es ist uns rätselhaft, wie diese Leute innert kürzester Zeit zu ihrem enormen Wissen gelangen und dieses literarisch verwerten. Gleichzeitig machen sie ja noch Reisen, geben Interviews, halten Vorträge, nehmen Lehraufträge wahr und haben bestimmt auch noch ein reich erfülltes Privatleben. Wie auch immer: Zu Harari haben wir es noch nicht geschafft. Dafür haben wir «Factfulness» von Hans Rosling gelesen. Der meint, alles werde besser, obwo

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