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WPK-BLOG

„Die Welt muss Seele haben“

24.03.2020

Was macht man denn so, wenn draussen nichts los ist? Man liest unter anderem alle Zeitungsartikel von A bis Z durch. So im letzten TA-Magazin: «War Popmusik früher besser?» (Christian Seiler)

Von Karl Popper stammt der Spruch, mit und seit Wagner sei nicht mehr Musik, sondern nur noch Lärm produziert worden. Das ist, bei allem Respekt, natürlich Quatsch. Aber der Autor des Magazin-Artikels hat Recht, wenn er seine Frage bejaht, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Er führt die kreativen Phasen von Bob Dylan und David Bowie ins Feld; ich würde sagen, das (vorläufige?) Ende der Musik habe irgendwo zwischen «Köln Concert», «Bohemian Rhapsody» und «The Wall» stattgefunden (2. Hälfte 70er-Jahre, als der Punk-Kitsch einriss). Cat Stevens attestiert der Autor «Schubert-Niveau»; «Michelle» und «Lucy in the Sky» haben das auch.

Ich habe dann gleich mal wieder «A Love Supreme» (im Artikel ebenfalls erwähnt), «Kind of Blue» und «Bitches Brew» hervorgekramt und daneben ein bisschen Berendt und Diederic...

07.02.2020

Ich habe am Neujahrstag die Beethovensendungen von 3sat aufgenommen und schaue/höre sie mir jetzt eine nach der anderen an. Darunter befinden sich auch die Symphonien 3 und 5 mit Herbert von Karajan. Auf den ersten Blick sind diese Filme zwar altmodisch, denn man sieht nur entweder IHN mit seinen geschlossenen Augen und seiner Blumenvasenfrisur, oder dann eine Armee von ergeben und stramm drauflosmalochenden «Tonfritzen». Aber der Sound, den sie produzieren, ist einfach unschlagbar, auch im Vergleich mit zeitgenössischen Aufnahmen. Hier kommuniziert der Dirigent zwar offen mit seinen Musikern, die Regie zirkuliert massgeschneidert von Instrument zu Instrument, und die Frauen im Orchester sind geradezu umwerfend, vor allem die Flötistinnen. Trotzdem kriegen sie den Beethoven mit dem besten Willen einfach nicht so hinreissend hin wie Karajan und dessen Soldaten. Gut, die Berliner Philharmoniker sind das beste Orchester der Welt, aber auch das hatte und hat immer noch mit Karajan zu tun....

12.09.2019

Wer die Veranstaltungskalender der soeben angelaufenen Konzertsaison konsultiert, wird von einer Überdosis Beethoven erdrückt. Dabei ist dessen 250. Geburtstag erst im Dezember 2020. Das ist zwar nicht weiter schlimm, denn es gibt viele Komponisten, die weniger gut sind als Beethoven. Aus unserer Sicht sind das sogar alle. Die Fachwelt hingegen stellt ihn regelmässig bloss auf Platz 3 und streitet höchstens noch darüber, ob die Goldmedaille nun Bach gehöre oder Mozart. Denn die gelten als «überirdisch», «himmlisch», «göttlich» usw.

Bach war sicher der beste «Architekt» von allen und Mozart hat die schönsten Melodien geliefert. Aber bei aller religiösen Ehrfurcht: Aber das reicht nicht für das «Gesamtgold». Keiner der beiden wäre je in der Lage gewesen, so etwas wie die Eroica, die Hammerklaviersonate oder die Streichquartette Opus 130-132 hinzukriegen. Das geht nicht «einfach so» aus der repetitiven Massenproduktion heraus. Dafür braucht es bei jedem neuen Werk zwingend sowohl tiefsinni...

14.03.2018

Ich habe mich gerade durch das «Pop-Musik-Schlachtross» von Diedrich Diederichsen gekämpft. Der Wille des Autors, die Pop-Musik als Superkunst zu verklären, ist unübersehbar. Allein schon von der «theoretischen Einbettung» her ist alles da, was zählt: Bach, Beethoven, Wagner, Boulez, Stockhausen, Cage, John Coltrane, Miles Davis, Kant, Hegel, Adorno, Foucault, Derrida, Bourdieu, Luhmann….

Aber im Kern der Sache setzt Diederichsen konsequent auf die Falschen, nämlich nicht auf die «Kunstrocker», sondern auf die «Dreckrocker». D.h. «seine» Pop-Musik ist gerade deshalb eine Superkunst, weil sie sich nicht mit hergebrachten Superkünsten misst. Nur: Aus Dreck wird nie Gold, auch wenn der Dreck interessante Hintergründe und Erklärungen hat und spontan fasziniert.

Diederichsens wohl vergebliches Bemühen erinnert mich an jenes der klassischen Musiker, der atonalen Postmoderne eine olympische Position zu verschaffen. Auch das hat nichts gebracht. Hässliche Töne mögen intellektuell vielleicht int...

28.02.2018

Es gibt immer wieder Leute, die vergleichen in allem Ernst Michael Jackson mit Wolfang Amadeus Mozart. Superstars der Musik seien sie gewesen. Aber das ist an den Haaren herbeigezogen. Wer die beiden auf die gleiche Ebene hebt, hat vielleicht von Showbusiness etwas verstanden, von Musik aber ziemlich wenig. Michael Jackson wäre nie im Leben in der Lage gewesen, eine Oper vom Format des «Figaro», des «Don Giovanni» oder der «Zauberflöte» zu komponieren. Was hier an Soziologie, Psychologie, Dramaturgie, Themenführung, Melodienreichtum und Orchestrierung zusammenprallt, ist geradezu extraterrestrisch. Dazu kommt der ganze Kosmos aller anderen Kreationen von Mozart: Weitere Opern, Orchesterwerke, Kammer- und Klaviermusik, das Requiem usw., d.h. sicher 100 absolute Spitzenwerke von mindestens 15 Minuten Aufführungsdauer.

Dagegen stehen «Thriller» und eine Hand voll kurze Evergreens mit zahlreichen Wiederholungen. Die wurden zwar weltweit abermillionenfach verkauft, aber das hat mehr mit mass...

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